13. September 2026 · Sonntag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Sir 27,30-28,7
Der Weisheitslehrer Jesus Sirach ist zutiefst vom guten Schöpfergott, der den Menschen ihre Verfehlungen vergibt, überzeugt. Dabei knüpft er aber die göttliche Verzeihungsbereitschaft ganz klar an Bedingungen: Der Einzelne muss seinem Nächsten gegenüber genauso handeln wie Gott an ihm. Er sieht die Vergebung unter Menschen als Vorbedingung der von Gott erbetenen Vergebung. In Rache, Groll und Zorn sieht Sirach menschliche Fehlhandlungen und deshalb gehören diese auf die Seite des Sünders und nicht auf die des Gerechten. Doch Jesus Sirach weiß, dass die bloße Aufforderung zur Vergebung allein nicht viel bewirkt, denn der Mensch ist ein Wesen aus Fleisch und Blut und daher ist es unmöglich, dass er sündenfrei lebt. Nun LSUB: Tiefster Grund, erlittenes Unrecht zu vergeben, ist Gottes vergebendes Handeln selbst. Und wenn Gott uns schon vergibt, sollen wir ebenso handeln. Denn entscheidend wird eines Tages sein, wie wir vor Gott stehen. Haben wir viel vergeben, so wird auch Gott unsere Sünden vergeben. Erinnern wir uns dazu an das Gebet des Herrn, das Vaterunser. Jeses Mal, wenn wir es sprechen, werden wir aufs Neue daran erinnert, wie wichtig die Vergebung für unser Seelenheil ist.
Evangelium – Mt 18,21-35
Die von Jesus vorgetragene Geschichte vom König, der Rechenschaft hält, behandelt die notwendige Beziehung der Menschen innerhalb der neuen Gemeinschaft mit Gott, insbesondre geht es dabei um die Pflicht der Vergebung. Erinnern wir uns an die vorletzte Bitte des Vaterunseres: „Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben!“ Dies weist darauf hin, dass die Vergebung unserer Sünden, aufs engste mit jener Vergebung verknüpft ist, die wir unseren Nächsten für das Unrecht, das er uns angetan hat, gewähren. Doch dieses Verzeihen unserer Nächsten gegenüber ist nicht leicht. Der Grund dafür ist unser egoistisches Herz. Ein solches ist voller dunkler Gedanken, vielleicht auch voller Hass und Rache, beides Attribute des Bösen. Damit wir wirklich verzeihen können, müssen wir das Böse in uns überwinden und die Abwehrstellung des Hasses zu Fall bringen. Der echt Vergebende erweist sich stärker als der Hassende und er besiegt die Triebe der Rache und der Demütigung des anderen, zum Heil seiner eigenen Seele. Und Vergebung bedeutet auch, den anderen nicht klein zu machen, ihm seine Größe zu belassen, sich nicht über ihn stellen, dafür aber das Prinzip der gleichen Augenhöhe wieder herzustellen. Auch Gott vergibt all das Böse was wir getan haben und beharrt nicht auf unserer Bestrafung. Er verliert die Erinnerung an unsere Sünden, bittet uns aber gleichzeitig, dasselbe zu tun, zu lernen, wie man vergibt, das unfruchtbare Kreuz des Hasses nicht zu tragen und keinen Groll zu hegen.