1. September 2026 · Dienstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – 1 Kor 2,10b-16
Die heutige Lesung zählt zu den schwierigsten Texten in den Briefen des Apostels Paulus. Inhaltlich geht es darin um die Wahrheit. Gerichtet ist der Brief an die Gemeinde in Korinth in Griechenland. Dort philosophiert man über die Wahrheit. Paulus nimmt dies als Gelegenheit, die Weisheit der Welt anzuprangern. Er sagt: Die Weisheit der Welt ist lediglich ein Ausdruck der Selbstbehauptung, der der Weisheit Gottes widerspricht. D.h., Gott dreht die Weisheit, so wie die Welt sie sieht, um. Unsere Lebensverhältnisse, unsere Maßstäbe, das Leben zu bewerten und zu beurteilen, entsprechen nicht der Sicht Gottes. Aus diesem Grund hat er uns allen seinen Geist geschenkt. Nur durch ihn kann der Mensch Gott erkennen, Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich der Mensch diesem Geist öffnet und sich von ihm erfüllen lässt. Von diesen sogenannten „Geisterfüllten“ grenzt Paulus jene ab, die sich dem Ruf Gottes nicht öffnen und die Weisheit des Kreuzes, die in ihren Augen eine Torheit ist, ablehnen. Sie können nicht fassen, wie aus dem Tod des Gekreuzigten neues Leben erwachsen kann. Zu diesen „ungeistigen“ Menschen zählten und zählen noch immer viele Machthaber auf dieser Welt, denn wer von irdischen Verhältnissen profitiert, wird sich schwerlich von anderen überzeugen lassen. Aber genau darin liegt der Auftrag für uns Christen: aufzeigen, wo Gottes Weisheit über das hinausgeht, was wir uns vorstellen können oder wollen.
Evangelium – Lk 4,31-37
In Kafarnaum besuchte Jesus an einem Sabbat die Synagoge, um zu lehren. Viele fromme Juden waren dort versammelt sowie auch ein von einem Dämon Besessener. Dieser Dämon erkannte, im Gegensatz zu den Menschen in der Synagoge, die wahre Identität Jesu und schrie: „Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!“ (Lk 4,34c). Jesus trieb den Dämon aus dem Besessenen aus und viele Menschen wurden Zeugen dieses Geschehens. Wie viele Christen besuchen im Gegensatz zu früher noch regelmäßig die Sonntagsgottesdienste? Was hält sie davon ab? So wie damals in der Synagoge hört man auch heute viele Menschen rufen: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret?“ Dabei glaube ich nicht, dass diese Menschen von einem Dämon besessen sind; sie kennen ganz einfach Jesus nicht, weil sie von ihm kaum etwas gehört haben. Religionsunterricht? – Da kann man sich abmelden! Sonntags den Tag des Herrn feiern? – Da möchte ich lange schlafen; und außerdem ist mir das Geschehen in der Kirche zu langweilig! Frage: Kann eine Verbindung zu und mit Gott langweilig sein? Suchen wir nur noch kurzweilige Unterhaltungen? Sind wir nicht mehr zu einem Dank gegenüber demjenigen bereit, der uns das ewige Leben schenken wird? Wie verblendet sind wir doch! Begreifen wir nicht, was und wer wir sind? Besinne dich auf das Wesentliche: Du bist nur Gast auf dieser Erde; alles, was darüber hinaus noch kommen kann, liegt in deinen Händen. Kehr um, noch hast du Zeit dazu. Wie lange du dafür noch Zeit hast, weißt du aber nicht.