6. August 2026 · Verklärung des Herrn
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Dan 7,9-10.13-14
Daniel hat eine Thronvision, die die menschliche Vorstellungskraft bei weitem übersteigt. Der Hochbetagte auf dem Thron ist eindeutig Gott selbst in seinem Thronsaal, ein Strafgericht an den Weltreichen vollziehend. Er entreißt ihnen ihre Macht und übergibt diese an jemanden, der aussieht wie eines Menschen Sohn. Wer ist dieser? In Dan 7,18.22.27 wird der Menschensohn kollektiv verstanden und steht für das Gottesvolk Israel. Gemäß Dan 12,1 könnte im Menschensohn der Erzengel Michael gesehen werden, der Anführer und Schutzengel des jüdischen Volkes. Ihm wird sodann Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Daniel hofft auf ein neues Volk, das die Herrschaft über die Welt übernehmen soll. Andererseits wird die Deutung aber auch individualisiert, im Evangelium ist es Jesus, der sich mit diesem Menschensohn identifiziert. Er hat sich mit Vorliebe diesen Titel beigelegt, der zugleich menschliche Niedrigkeit und göttliche Hoheit aussagt. Sein Reich ist ewig und unvergänglich. Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Würde werden darin ihren Platz finden. Auch wenn dies lediglich eine Vision ist, sind solche Bilder ein Lichtblick; sie stärken die Hoffnung auf eine bessere, gerechtere und menschlichere Welt.
Evangelium – Mk 9,2-10
Auch wir fragen uns: Was wird nach dem Tod sein? Wie wird es mit mir weitergehen? Was erwartet mich im Jenseits? Bei Vorstellungen davon, wie es im Himmel aussieht, hilft uns die Gegenwartstheologie nicht viel weiter. Was wir kennen, ist eine Vorstellung vom Gericht als Übergang in den Himmel sowie Jesu Verkündigung vom Lohn im Himmel. Diese Hoffnung auf den jenseitigen Lohn führt uns dazu, bereits hier im Diesseits, in Form der Nächstenliebe, das Reich Gottes zu realisieren. Zur Auferstehung sagt Paulus, dass wir bei diesem Vorgang mit einem überirdischen Leib ausgestattet und dabei unsere Identitäten bewahren werden. Aber wie sieht es im Himmel aus? Spuren des Himmels können wir schon jetzt in unserem Leben finden. Es sind dies Momente zutiefst erfahrener Liebe, Versöhnung und Freundschaft, die faszinierendsten Augenblicke unserer Kreativität und Schöpfungskraft, die Erfahrung der Schönheit in der Kunst, die Erfahrung des Glücks in der Natur etc. Darüber hinaus benennt die Bibel den Himmel als neue Erde mit einem neuen Himmel, also einen neuen Kosmos. Dieser Kosmos existiert schon jetzt, parallel zu unserer Erdgeschichte. Die Spuren des Himmels, wie wir sie jetzt schon auf der Erde finden, werden dort zur Vollkommenheit ausgeprägt sein. Schönheit wird vorherrschen, wir werden kreativ, talentiert und voll Liebe sein, in einer Freiheit außerhalb der ausschließenden Gegensätze von Gut und Böse. Sich dies alles schon jetzt hier auf der Erde vorzustellen, übersteigt allerdings unsere beschränkte diesseitige Vorstellungskraft bei weitem.