Bibel in einem Jahr · Tag 179 von 365

Ps 11–13 · Röm 11

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Die Psalmen 11

1Zum Ende, für die Oktav, ein Psalm Davids. 2Errette mich, Herr! denn die Frommen nehmen ab, denn die Treue ist geschwunden unter den Menschenkindern. 3Sie reden Lüge, ein jeder zu seinem Nächsten; ihre Lippen sind voll Trug, sie reden mit doppeltem Herzen. 4Möge der Herr alle trugvollen Lippen vertilgen, die großsprecherischen Zungen jener, 5welche sagen: Lasset uns unserer Zunge Macht zeigen, unsere Lippen stehen uns bei, wer ist unser Herr? 6Wegen des Elendes der Bedrängten und des Seufzens der Armen will ich mich nun erheben, spricht der Herr. Ich will Heil schaffen, mit ihm vertraulich handeln. 7Des Herrn Worte sind lautere Worte, Silber, das im Feuer geläutert ist, im irdenen Tiegel erprobt, siebenfach gereinigt. 8Du, Herr! Behütest uns und bewahrst uns vor diesem Geschlechte in Ewigkeit. 9Ringsum wandeln die Gottlosen, doch hast du nach deinen tiefen Ratschlüssen die Menschenkinder zahlreich gemacht.

Die Psalmen 12

1Zum Ende, ein Psalm Davids. Wie lange, Herr! wirst du meiner so ganz vergessen? Wie lange noch dein Angesicht von mir wenden? 2Wie lange soll ich meiner Seele Pläne schaffen, Schmerzen leiden in meinem Herzen Tag für Tag? 3Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben? 4Schau her und erhöre mich, o Herr, mein Gott! Erleuchte meine Augen, dass ich nicht etwa in Todesschlaf sinke; 5dass mein Feind nicht sagen könne: Ich bin seiner mächtig geworden; es würden meine Quäler frohlocken, wenn ich wankte. 6Doch ich vertraue auf deine Erbarmung, es frohlockt mein Herz ob deines Heiles, ich will dem Herrn lobsingen, der mir Gutes getan, und den Namen des Herrn, des Allerhöchsten, preisen.

Die Psalmen 13

1Zum Ende, ein Psalm Davids. Es spricht der Tor in seinem Herzen: “Es ist kein Gott!” Verderbt sind sie und verabscheuungswürdig sind sie geworden in ihren Anschlägen. Keiner ist, der Gutes tue, auch nicht ein einziger. 2Der Herr blickt vom Himmel auf die Menschenkinder, zu sehen, ob einer einsichtig sei oder nach Gott frage. 3Alle sind sie abgewichen, insgesamt unnütz geworden; keiner ist, der Gutes tue, auch nicht ein einziger. Ein offenes Grab ist ihr Schlund; mit ihren Zungen handeln sie trüglich, Natterngift ist unter ihren Lippen. Von Lästerung und Bitterkeit ist ihr Mund voll, behend sind ihre Füße zum Blutvergießen. Verderben und Unglück sind auf ihren Wegen und den Weg des Friedens kennen sie nicht, die Furcht Gottes ist nicht vor ihren Augen. 4Sind nicht ohne Einsicht alle, die Übles tun, die mein Volk verschlingen wie einen Bissen Brot? 5Den Herrn riefen sie nicht an; dort zitterten sie vor Furcht, wo nichts zu fürchten war. 6Denn der Herr ist mit dem Geschlechte der Gerechten; den Ratschluss des Armen habt ihr verhöhnt, dass der Herr seine Hoffnung sei. 7O dass doch Israel Heil aus Sion käme! Wenn der Herr die Gefangenschaft seines Volkes abwendet, wird Jakob frohlocken und Israel sich freuen!

Neues Testament

Römerbrief 11

1Ich sage also: Hat etwa Gott sein Volk verworfen? Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit, aus der Nachkommenschaft Abrahams, vom Stamme Benjamin. 2Nicht hat Gott sein Volk verstoßen, das er vorhergekannt hat. Oder wisset ihr nicht, was die Schrift im Abschnitte des Elias sagt, wie er vor Gott wider Israel klagt? 3Herr! sie haben deine Propheten getötet, sie haben deine Altäre umgestürzt; und ich bin allein übriggeblieben, und sie trachten mir nach dem Leben. 4Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? Ich habe mir siebentausend Mann übrig behalten, welche ihre Knie nicht gebeugt haben vor Baal. 5So ist also auch in unserer Zeit ein Rest nach der Auswahl der Gnade gerettet worden. 6Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken, denn sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade. 7Wie nun? Was Israel suchte, das hat es nicht erlangt; die Auserwählten aber haben es erlangt, die übrigen dagegen wurden verblendet, 8wie geschrieben steht: Gott gab ihnen einen Geist der Betäubung, Augen, mit denen sie nicht sehen, und Ohren, mit denen sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag. 9Und David spricht: Es werde ihnen ihr Tisch zum Fallstricke, zum Fange, zum Anstoße und zur Vergeltung. 10Verdunkelt werden sollen ihre Augen, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge immerdar! 11Ich frage nun: Haben sie also etwa angestoßen, um zu fallen? Das sei ferne! Aber durch die Sünde jener ist den Heiden das Heil geworden, damit sie angereizt werden, jenen nachzueifern. 12Wenn aber ihre Sünde der Reichtum der Welt, und ihre Verringerung der Reichtum der Heiden, wie viel mehr werden ihre Vollzahl? 13Denn euch, den Heiden, sage ich: Soweit ich Heidenapostel bin, will ich mein Amt verherrlichen, 14ob ich nicht auf irgendeine Weise die, mit denen ich dem Fleische nach verwandt bin, zur Nacheiferung bewegen und einige von ihnen retten kann. 15Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Aufnahme anders sein, als Aufleben von den Toten? 16Wenn aber die Erstlinge heilig sind, so ist es auch die Masse; und wenn die Wurzel heilig ist, so sind es auch die Zweige. 17Wenn aber einige Zweige abgebrochen wurden, und du als Schoß eines wilden Ölbaumes auf sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des edlen Ölbaumes teilhaftig geworden bist, 18so rühme dich nicht wider die Zweige. Wenn du dich aber rühmst, so wisse: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel dich. 19Du wirst nun sagen: Die Zweige wurden abgebrochen, damit ich eingepfropft werde. 20Gut! wegen des Unglaubens sind sie abgebrochen worden; du aber stehst durch den Glauben; sei nicht hoffärtig, sondern fürchte dich! 21Denn wenn Gott der natürlichen Zweige nicht geschont hat, so möchte er auch deiner nicht schonen. 22Siehe also die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, welche gefallen sind, die Strenge, gegen dich aber die Güte Gottes, wenn du in der Güte beharrst; sonst wirst auch du abgehauen werden. 23Aber auch jene werden, wenn sie nicht im Unglauben verharren, eingepfropft werden; denn Gott ist mächtig genug, sie wieder einzupfropfen. 24Denn wenn du von dem wilden Ölbaume, dem du der Natur nach angehörst, abgeschnitten und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest, um wie viel mehr werden die, welche der Natur nach ihm angehören, ihrem eigenen Ölbaum eingepfropft werden? 25Denn ich will euch, meine Brüder! über dieses Geheimnis nicht in Unwissenheit lassen (damit ihr euch nicht selbst erhebet), dass die Verblendung über einen Teil von Israel gekommen ist, bis die Fülle der Heiden eingeht. 26Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: Aus Sion wird der Retter kommen, der die Bosheit von Jakob wegnimmt und abwendet. 27Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden werde weggenommen haben. 28Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde um euretwillen; hinsichtlich der Auserwählten aber Lieblinge um der Väter willen. 29Denn Gottes Gnadengaben und die Berufung gereuen ihn nicht. 30Denn wie auch ihr einst Gott nicht glaubtet, jetzt aber durch ihren Unglauben Barmherzigkeit erlangt habt, 31so wurden auch sie jetzt ungläubig wegen eurer Begnadigung, damit auch sie Barmherzigkeit erlangen. 32Denn Gott hat alles in dem Unglauben eingeschlossen, damit er sich aller erbarme. 33O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte, und wie unerforschlich seine Wege! 34Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen? 35Oder wer hat ihm zuerst etwas gegeben, dass es ihm wieder vergolten werde? 36Denn von ihm und durch ihn und in ihm ist alles. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.