Bibel in einem Jahr · Tag 161 von 365

Est 16; Ijob 1–2 · Apg 26

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Ester 16

1[Abschrift des Briefes, welchen der König Artaxerxes für die Juden in allen Landschaften seines Reiches sandte. Auch dies findet sich nicht im hebräischen Texte.] Artaxerxes, der große König von Indien bis Äthiopien, entbietet den hundertsiebenundzwanzig Statthaltern und den Fürsten, die unsern Befehlen gehorchen, Gruß! 2Viele haben die Güte der Fürsten und die Ehre, die ihnen verliehen worden, zur Überhebung missbraucht 3und suchen nicht nur, die Untertanen der Könige zu unterdrücken, sondern können nicht einmal die ihnen verliehene Ehre ertragen und bereiten denen Nachstellungen, welche ihnen dieselbe verliehen haben. 4Nicht zufrieden damit, für die Wohltaten nicht zu danken und an sich schon die Rechte der Menschlichkeit zu verletzen, meinen sie auch, sie könnten dem Urteile des allsehenden Gottes entgehen. 5Und in solchen Wahnsinn gerieten sie, dass sie jene, welche die ihnen anvertrauten Ämter eifrig versehen und alles so verrichten, dass sie jedermanns Lob würdig sind, durch die Fallgruben der Lügen zu stürzen suchen, 6indem sie die arglosen Ohren der Fürsten, welche andere nach sich selbst beurteilen, mit listigem Betruge täuschen. 7Solches lässt sich ebenso aus den alten Geschichten beweisen, wie aus dem, was sich täglich begibt, wie das Streben der Könige durch die bösen Einflüsterungen einiger verkehrt wird. 8Darum muss für den Frieden aller Landschaften Vorsehung getroffen werden. 9Ihr dürft auch nicht meinen, dass dies aus einer Leichtfertigkeit unseres Gemütes herrührt, wenn wir Verschiedenes befehlen, sondern dass wir nach der Beschaffenheit und dem Bedürfnisse der Zeiten Beschlüsse fassen, wie es das Wohl des Gemeinwesens erheischt. 10Und damit ihr deutlicher versteht, was wir sagen: Aman, der Sohn Amadathis, von Gesinnung und Geschlecht ein Macedonier und dem Blute der Perser fremd, der unsere Güte durch seine Grausamkeit befleckt hat, war von uns als Fremdling aufgenommen 11und hatte solche Herablassung von uns an sich erfahren, dass wir ihn unseren Vater nannten und er von uns allen als der nächste nach dem Könige verehrt wurde, 12dieser wurde so anmaßend und aufgeblasen, dass er uns Reich und Leben zu rauben suchte. 13Denn er verlangte, durch neue und unerhörte Ränke den Mardochäus, durch dessen Treue und Wohltat wir leben, und Esther, die Mitgenossin unserer Herrscherwürde, samt ihrem ganzen Volke dem Tode zu weihen. 14Er hatte im Sinne, nach ihrer Ermordung, wenn wir ohne Stütze wären, unserer Person nachzustellen und das Reich der Perser auf die Macedonier zu übertragen. 15Wir fanden aber, dass die von dem Nichtswürdigsten der Sterblichen zum Tode bestimmten Juden ganz und gar unschuldig waren, ja im Gegenteil gerechte Gesetze haben 16und Söhne des höchsten und größten Gottes sind, der immerdar lebt, durch dessen Gnade uns und unsern Vätern die Herrschaft übergeben ist und bis auf diesen Tag erhalten wird. 17Darum wisset, dass die Schreiben, welche er unter unserm Namen ausgesandt hatte, ungültig sind. 18Für diese verruchte Tat ist sowohl er, der Anstifter, wie sein ganzes Geschlecht vor den Toren dieser Stadt, das ist Susan, aufgehängt, indem nicht wir, sondern Gott ihm vergalt, was er verdiente. 19Dieser Erlass aber, den wir jetzt senden, ist in allen Städten bekannt zu machen, dass es den Juden freistehen soll, nach ihren Gesetzen zu leben. 20Und ihr sollt denselben behilflich sein, damit sie diejenigen, welche sich zu ihrer Ermordung gerüstet hatten, am dreizehnten Tage des zwölften Monats, welcher Adar heißt, töten können, 21denn diesen Tag der Trauer und Betrübnis hat Gott, der Allmächtige, für sie in Freude verwandelt. 22Darum nehmet auch ihr diesen Tag unter die Zahl der Festtage auf und feiert ihn mit aller Freude, damit man auch in Zukunft erkenne, 23dass alle, welche den Persern treu gehorsam sind, den verdienten Lohn für ihre Treue erhalten, jene aber, die ihrer Herrschaft Nachstellungen bereiten, um ihres Frevels willen zu Grunde gehen. 24Jedes Land aber und jede Stadt, die an dieser Feier nicht teilnehmen wollte, soll mit Feuer und Schwert vernichtet und so verwüstet werden, dass sie nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere auf ewig zur Öde wird, als warnendes Beispiel für Verachtung und Ungehorsam.

Das Buch Ijob 1

1Es war ein Mann im Lande Hus, mit Namen Job; derselbe war ohne Falsch und rechtschaffen und gottesfürchtig und das Böse meidend. 2Diesem wurden sieben Söhne und drei Töchter geboren. 3Und sein Besitz bestand in siebentausend Schafen und dreitausend Kamelen, fünfhundert Joch Ochsen und fünfhundert Eselinnen; dazu hatte er ein sehr zahlreiches Gesinde und dieser Mann war groß unter allen Söhnen des Morgenlandes. 4Seine Söhne pflegten von Haus zu Haus, ein jeder an seinem Tage, ein Gastmahl zu veranstalten, indem sie hinsandten und ihre drei Schwestern einluden, mit ihnen zu essen und zu trinken. 5Wenn dann die Tage des Gastmahles der Reihe nach um waren, sandte Job zu ihnen und heiligte sie und, sich am frühen Morgen erhebend, brachte er für einen jeden Brandopfer dar, den er sprach: Vielleicht haben meine Söhne gesündigt und Gott gelästert in ihren Herzen. So tat Job alle Zeit. 6Eines Tages nun kamen die Söhne Gottes, vor dem Herrn zu erscheinen, da war unter ihnen auch der Satan zugegen. 7Zu diesem sprach der Herr: Woher kommst du? Er antwortete und sprach: Ich habe die Erde durchstreift und sie durchwandert. 8Da sprach der Herr zu ihm: Hast du wohl acht gehabt auf meinen Diener Job, dass seinesgleichen nicht auf Erden ist, ein Mann aufrichtig, recht, gottesfürchtig und das Böse meidend? 9Der Satan antwortete ihm und sprach: Fürchtet wohl Job Gott umsonst? 10Hast du nicht ihn und sein Haus und alle seine Habe ringsum mit einem Walle umgeben? Hast du nicht die Werke seiner Hände gesegnet und hat sein Besitztum nicht zugenommen im Lande? 11Aber strecke nur einmal deine Hand ein wenig aus und taste alles an, was er hat, ob er dich dann nicht ins Angesicht lästert? 12Da sprach der Herr zu dem Satan: Siehe, alles, was er hat, ist in deiner Hand! Nur gegen ihn strecke deine Hand nicht aus. Da ging der Satan hinweg vom Angesichte des Herrn. 13Als aber eines Tages seine Söhne und Töchter im Hause ihres erstgeborenen Bruders aßen und Wein tranken, 14kam ein Bote zu Job, welcher sprach: Die Ochsen pflügten und die Eselinnen weideten nahe bei ihnen, 15da machten die Sabäer einen Überfall, nahmen alles und erschlugen die Knechte mit dem Schwerte und ich allein bin entkommen, es dir zu verkünden. 16Während dieser noch redete, kam ein anderer und sprach: Feuer Gottes fiel vom Himmel und ergriff die Schafe und die Knechte und verzehrte sie und ich bin allein entronnen, es dir zu melden. 17Während auch dieser noch redete, kam ein anderer und sprach: Die Chaldäer bildeten drei Haufen, fielen über die Kamele her und nahmen sie, die Knechte aber erschlugen sie mit dem Schwerte und ich bin allein entronnen, es dir zu verkünden. 18Noch redete dieser, da trat ein anderer ein und sprach: Deine Söhne und Töchter aßen eben und tranken Wein im Hause ihres erstgeborenen Bruders, 19da stürmte plötzlich ein heftiger Wind von der Wüste her heran und erschütterte die vier Ecken des Hauses, so dass es einstürzte und deine Kinder verschüttete, und sie starben; und ich allein bin entkommen, es dir zu verkünden. 20Da erhob sich Job, zerriß seine Kleider, schor sein Haupt, betete, sich zur Erde niederwerfend, an 21und sprach: Nackt bin ich aus meiner Mutter Schoß hervorgegangen und nackt werde ich dahin zurückkehren; der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen. Wie es dem Herrn gefiel, so ist es geschehen! Der Name des Herrn sei gepriesen! 22Bei alledem sündigte Job nicht mit seinen Lippen und redete nichts Törichtes wider Gott.

Das Buch Ijob 2

1Es begab sich aber eines Tages, als die Söhne Gottes kamen, vor dem Herrn zu erscheinen, kam unter ihnen auch der Satan, um vor sein Angesicht zu treten. 2Da sprach der Herr zu dem Satan: Woher kommst du? Er antwortete und sprach: Ich habe die Erde durchstreift und sie durchwandert. 3Und der Herr sprach zu dem Satan: Hast du wohl acht gehabt auf meinen Diener Job, dass seinesgleichen nicht ist auf Erden, ein Mann, aufrichtig, recht, gottesfürchtig, das Böse meidend und seine Unschuld noch bewahrend? Du aber reiztest mich wider ihn, ihn ohne Ursache zu schlagen. 4Der Satan antwortete ihm und sprach: Haut um Haut, und alles, was der Mensch hat, wird er um sein Leben geben. 5Aber strecke nur deine Hand aus und taste sein Gebein und Fleisch an, dann wirst du sehen, dass er dich ins Angesicht lästert. 6Da sprach der Herr zu dem Satan: Siehe, er ist in deiner Hand, doch seines Lebens schone! 7Alsbald ging der Satan von dem Angesichte des Herrn hinweg und schlug Job mit einem bösartigen Geschwüre von der Fußsohle bis zum Scheitel. 8Dieser schabte den Eiter mit einem Scherben ab, auf einem Misthaufen sitzend. 9Da sprach sein Weib zu ihm: Bleibst du noch standhaft in deiner Einfalt? Fluche Gott und stirb! 10Er aber sprach zu ihr: Wie eine der törichten Frauen hast du geredet! Haben wir das Gute von der Hand Gottes empfangen, warum sollten wir das Böse nicht hinnehmen? Bei alledem sündigte Job nicht mit seinen Lippen. 11Als nun die drei Freunde Jobs von allem Unglück hörten, das ihm widerfahren war, kamen sie, ein jeder von seinem Wohnorte, herbei, Eliphaz, der Themaniter, und Baldad, der Suhiter, und Sophar, der Naamathiter. Denn sie hatten sich verabredet, miteinander zu kommen, ihn zu besuchen und zu trösten. 12Als sie nun von ferne ihre Augen erhoben, kannten sie ihn nicht mehr und schrieen laut auf und weinten und zerrissen ihre Kleider und streuten Staub gegen den Himmel auf ihr Haupt. 13Und sie setzten sich zu ihm auf die Erde, sieben Tage und sieben Nächte, ohne dass einer ein Wort zu ihm sagte; denn sie sahen, dass sein Schmerz heftig war.

Neues Testament

Apostelgeschichte 26

1Agrippa aber sprach zu Paulus: Es wird dir gestattet, für dich selbst zu reden. Da streckte Paulus die Hand aus, und hob an sich zu verantworten. 2Ich schätze mich glücklich, König Agrippa! dass ich über alles, dessen die Juden mich beschuldigen, mich vor dir heute verantworten darf, 3vorzüglich darum, weil dir alle jüdischen Gebräuche und Streitfragen bekannt sind. Darum bitte ich, du wollest mich mit Geduld anhören. 4Mein Lebend von Jugend auf, wie ich es von Anfang an unter meinem Volke in Jerusalem geführt, kennen alle Juden. 5Sie kennen mich von jeher (wofern sie es bezeugen wollen), dass ich ehedem nach der strengsten Schule unserer Religion als Pharisäer gelebt habe. 6Und nun stehe ich vor Gericht wegen der Hoffnung jener Verheißung, welche von Gott an unsere Väter ergangen ist, 7zu welcher unsere zwölf Stämme, Tag und Nacht Gott dienend, zu gelangen hoffen. Dieser Hoffnung wegen, o König! werde ich von den Juden angeklagt. 8Warum wird es bei euch für unglaublich gehalten, wenn Gott Tote auferweckt? 9Auch ich war der Meinung gegen den Namen Jesus, des Nazareners, viel Feindliches tun zu müssen. 10Das habe ich denn auch getan in Jerusalem, und viele der Heiligen habe ich in die Gefängnisse geworfen, nachdem ich von den Hohenpriestern Vollmacht erhalten hatte; und wenn sie getötet werden sollten, habe ich meine Stimme dazu gegeben. 11Und von Synagoge zu Synagoge zog ich sie oftmals zur Strafe, und trieb sie an zu lästern; ja immer mehr wutentbrannt verfolgte ich sie bis in die auswärtigen Städte. 12Als ich aber in solcher Absicht nach Damaskus reiste, mit Vollmacht und Auftrag von den Hohenpriestern, 13da sah ich mitten am Tage, auf dem Wege, o König! ein Licht vom Himmel, heller als der Glanz der Sonne, mich und die, welche mit mir waren, umstrahlen. 14Und während wir alle zu Boden fielen, hörte ich eine Stimme in hebräischer Sprache zu mir sagen: Saulus, Saulus! was verfolgst du mich? Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen. 15Ich aber sprach: Wer bist du, Herr? Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. 16Aber stehe auf, und stelle dich auf deine Füße; denn ich bin erschienen, dich zum Diener und zum Zeugen dessen zu bestellen, was du gesehen hast, und dessen, was ich dir erscheinend kundgeben werde, 17indem ich dich aussondere von dem Volke und von den Heiden, unter welche ich dich jetzt sende, 18um ihre Augen zu öffnen, auf dass sie sich von der Finsternis zum Lichte, und von der Gewalt des Satans zu Gott bekehren, damit sie die Vergebung der Sünden und ein Erbe unter den Heiligen durch den Glauben an mich erlangen. 19Darum, o König Agrippa! war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungläubig, 20sondern verkündete zuerst denen, die zu Damaskus und Jerusalem bis hinaus in das ganze Land Judäa waren, und den Heiden, dass sie Buße tun, und sich zu Gott bekehren sollten, indem sie würdige Früchte der Buße wirkten. 21Und deßwillen ergriffen mich die Juden, als ich im Tempel war, und versuchten mich zu töten. 22Durch Gottes Hilfe aber geschützt, stehe ich bis auf den heutigen Tag, und lege Zeugnis ab vor Klein und Groß, indem ich nichts anderes sage, als was die Propheten und Moses gesagt haben, dass es geschehen werde; 23ob Christus dem Leiden unterworfen, ob er als Erster aus der Auferstehung der Toten dem Volke und den Heiden Licht verkünden werde. 24Da er dies zu seiner Verteidigung redete, rief Festus mit lauter Stimme: Du bist von Sinnen, Paulus! Das viele Studieren macht dich unsinnig. 25Paulus aber sagte: Ich bin nicht von Sinnen, vortrefflichster Festus, sondern ich rede Worte der Wahrheit und Besonnenheit. 26Dem Könige sind diese Dinge bekannt, darum rede ich zu ihm mit Freimut, denn ich glaube, dass ihm nichts von diesen Dingen verborgen sein kann; ist doch nichts davon in einem Winkel geschehen. 27Glaubst du den Propheten, König Agrippa? Ja, ich weiß, dass du glaubst. 28Agrippa aber sprach zu Paulus: Beinahe überredest du mich, ein Christ zu werden. 29Und Paulus sprach: Wollte Gott, dass sowohl durch Weniges, als durch Großes, nicht allein du, sondern auch alle, die mich hören, heute das würden, was ich bin, diese Bande ausgenommen. 30Da stand der König auf, und der Landpfleger und Bernice, und die bei ihnen saßen. 31Und als sie sich zurückgezogen hatten, sprachen sie miteinander und sagten: Dieser Mensch hat nichts, was Tod oder Bande verdient, getan. 32Agrippa aber sagte zu Festus: Man hätte diesen Menschen bereits in Freiheit setzen können, wenn er nicht an den Kaiser Berufung eingelegt hätte.