Bibel in einem Jahr · Tag 16 von 365

Gen 45–47

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Genesis 45

1Da konnte Joseph nicht länger an sich halten vor allen, welche ihn umstanden, und gebot daher, dass alle hinausgehen sollten und kein Fremder zugegen wäre, wenn er sich seinen Brüdern zu erkennen gäbe. 2Und er begann laut zu weinen, so dass die Ägypter und das ganze Haus Pharaos es hörten. 3Dann sprach er zu seinen Brüdern: Ich bin Joseph; lebt mein Vater noch? Aber seine Brüder konnten nicht antworten; so großer Schrecken hatte sie erfasst. 4Da sprach er freundlich zu ihnen: Tretet doch her zu mir! Und als sie näher getreten waren, sagte er: Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. 5Fürchtet euch nicht und lasset es euch nicht schwer aufs Herz fallen, dass ihr mich in dieses Land verkauft habt; denn zu eurem Heile hat mich Gott euch voraus nach Ägypten gesandt. 6Denn zwei Jahre ist es, dass der Hunger auf Erden begonnen hat, und noch stehen fünf Jahre bevor, in denen man weder wird pflügen noch ernten können. 7So hat mich Gott voraus gesandt, dass ihr erhalten werdet auf Erden und Speise haben könntet, um zu leben. 8Nicht durch euren Ratschluss, sondern nach Gottes Willen bin ich hierher gesandt, er hat mich gleichsam zum Vater Pharaos, und zum Herrn seines ganzen Hauses, und zum Gebieter über das ganze Land Ägypten gemacht. 9Eilet, und ziehet hinauf zu meinem Vater, und saget ihm: Dieses lässt dir dein Sohn Joseph sagen: Gott hat mich zum Herrn über das ganze Land Ägypten gemacht; komme herab zu mir, säume nicht! 10Du sollst im Lande Gessen deinen Wohnsitz nehmen und mir nahe sein, du, und deine Söhne, und die Söhne deiner Söhne, deine Schafe und deine Herden, und alles, was du besitzest. 11Daselbst will ich dich erhalten (denn es sind noch fünf Hungersjahre übrig), damit du nicht umkommest, noch dein Haus, noch alles, was du besitzest. 12Sehet, eure Augen und die Augen meines Bruders Benjamin sehen, dass mein Mund zu euch redet. 13Verkündet meinem Vater alle meine Herrlichkeit, und alles, was ihr in Ägypten gesehen habt; eilet und bringet ihn zu mir her. 14Hierauf umarmte er seinen Bruder Benjamin, und fiel ihm um den Hals, und weinte, und auch jener weinte gleicherweise an seinem Halse. 15Und Joseph küsste alle seine Brüder und weinte über einen jeden, und dann erst wagten sie zu ihm zu reden. 16Und es wurde bekannt und es ging die Kunde am Hofe des Königs von Mund zu Mund: Die Brüder Josephs sind gekommen! Und Pharao freute sich darüber und sein ganzes Haus. 17Und er sprach zu Joseph, er sollte seinen Brüdern gebieten: Beladet eure Tiere, und ziehet hin in das Land Chanaan, 18und holet euren Vater, und eure Verwandtschaft von dort, und kommet her zu mir; und ich will euch alle Güter Ägyptens geben, dass ihr von dem Besten des Landes esset. 19Befiehl auch, sie sollen Wagen mitnehmen aus dem Lande Ägypten, um ihre kleinen Kinder und ihre Frauen darauf zu setzen, und sage: Nehmet euren Vater und eilet so schnell wie möglich herzukommen! 20Sendet auch nichts von eurem Hausrate herab, denn alle Reichtümer Ägyptens sollen euer sein. 21Da taten die Söhne Israels, wie ihnen geboten war. Joseph gab ihnen Wagen, nach dem Befehle Pharaos, und Zehrung auf die Reise; 22und ließ er einem jeden zwei Ehrenkleider bringen; dem Benjamin aber gab er dreihundert Silberlinge und fünf der besten Ehrenkleider. 23Und eben so viel Geld und Kleider sandte er seinem Vater, und fügte noch zehn Esel hinzu, beladen mit den kostbarsten Gaben Ägyptens, und ebensoviele Eselinnen, welche Getreide und Reisezehrung trugen. 24So entließ er seine Brüder und sprach zu ihnen, da sie hinzogen: Zanket nicht auf dem Wege! 25Und sie zogen fort aus Ägypten und kamen in das Land Chanaan zu Jakob, ihrem Vater. 26Da erzählten sie ihm und sprachen: Joseph, dein Sohn, ist noch am Leben, und er gebietet über das ganze Land Ägypten. Da Jakob das hörte, war es, als erwache er aus einem schweren Schlafe, doch glaubte er ihnen nicht. 27Als sie ihm aber alles der Ordnung nach erzählten, und er die Wagen und alles sah, was Joseph gesandt hatte, lebte sein Geist wieder auf, 28und er sprach: Genug ist es mir, wenn mein Sohn Joseph noch lebt; ich will hinziehen und ihn sehen, bevor ich sterbe.

Genesis 46

1Da brach Israel mit allem, was er hatte, auf, und kam zum Brunnen des Schwures, und brachte daselbst dem Gott seines Vaters Isaak Opfer dar. 2Im nächtlichen Gesichte aber hörte er, wie Gott ihn rief und zu ihm sprach: Jakob, Jakob! Er antwortete ihm: Siehe, hier bin ich! 3Und Gott sprach zu ihm: Ich bin der Starke, der Gott deines Vaters, fürchte dich nicht, ziehe hinab nach Ägypten, denn ich will dich daselbst zu einem großen Volke machen. 4Ich selbst werde mit dir dorthin hinabziehen, und ich selbst werde dich von dort heraufführen, wenn du zurückkehrst; und Joseph soll seine Hände auf deine Augen legen. 5Da brach Jakob vom Brunnen des Schwures auf, und seine Söhne hoben ihn mit ihren Kindern und Frauen auf die Wagen, die Pharao gesandt hatte, um den Greis hinzuführen, 6dazu alles, was er im Lande Chanaan besaß; und er kam nach Ägypten mit seiner ganzen Nachkommenschaft, 7seinen Söhnen und Enkeln, und Töchtern, und seinen gesamten Abkömmlingen allzumal. 8Dies aber sind die Namen der Söhne Israels, welche nach Ägypten gezogen sind, er mit seinen Kindern. Der Erstgeborene Ruben. 9Die Söhne Rubens: Henoch, Phallu, Hesron, und Charmi. 10Die Söhne Simeons: Jamuel, Jamin, Ahod, Jachin, Sohar und Saul, der Sohn der Chananiterin. 11Die Söhne Levis: Gerson, Kaath, und Merari. 12Die Söhne Judas: Her, Onan, Sela, Phares und Zara. Her und Onan jedoch starben im Lande Chanaan. Und Phares wurden Söhne geboren: Hesron und Hamul. 13Die Söhne Issachars: Thola, Phua, Job und Semron. 14Die Söhne Zabulons: Sared, Elon, und Jahelel. 15Dies sind die Söhne Lias, die sie in Mesopotamien in Syrien gebar, samt Dina ihrer Tochter; alle Seelen ihrer Söhne und ihrer Töchter zusammen dreiunddreißig. 16Die Söhne Gads: Sephion, Haggi, Suni, Esebon, Heri, Arodi und Areli. 17Die Söhne Asers: Jamne, Jesua, Jessui, Beria, dazu Sara, ihre Schwester. Die Söhne Berias: Heber und Melchiel. 18Dies sind die Söhne der Zelpha, welche Laban seiner Tochter Lia mitgab, und diese gebar sie dem Jakob, sechzehn Seelen. 19Die Söhne Rachels, des Weibes Jakobs: Joseph und Benjamin. 20Auch dem Joseph wurden im Lande Ägypten Söhne geboren, welche ihm Aseneth, die Tochter Putiphares, des Priesters von Heliopolis, gebar: Manasses und Ephraim. 21Die Söhne Benjamins: Bela, Bechor, Asbel, Gera, Naaman, Echi, Ros, Mophim, Ophim und Ared. 22Dies sind die Söhne Rachels, welche sie Jakob gebar; zusammen vierzehn Seelen. 23Die Söhne Dans: Husim. 24Die Söhne Nephthalis: Jasiel, Guni, Jeser und Salem. 25Dies sind die Söhne der Bala, welche Laban seiner Tochter Rachel mitgab, und diese gebar sie dem Jakob; zusammen sieben Seelen. 26Alle Seelen, die mit Jakob nach Ägypten kamen und die aus seinen Lenden hervorgegangen waren, ungerechnet die Frauen seiner Söhne, waren sechsundsechzig. 27Die Söhne Josephs aber, die ihm im Lande Ägypten geboren worden, waren zwei Seelen. Alle Seelen des Hauses Jakob, die nach Ägypten kamen, waren siebzig. 28Er sandte aber Juda vor sich her zu Joseph, um ihm Nachricht zu geben, dass er ihm entgegenkommen solle bis nach Gessen. 29Als jener dahingekommen war, ließ Joseph seinen Wagen anspannen und zog seinem Vater an denselben Ort entgegen; und da er ihn sah, fiel er ihm um den Hals und weinte an seinem Halse. 30Und der Vater sprach zu Joseph: Nun will ich freudig sterben, da ich dein Antlitz gesehen habe und dich am Leben zurücklasse. 31Er aber sprach zu seinen Brüdern und zum gesamten Hause seines Vaters: Ich werde hinaufziehen, und dem Pharao berichten, und ihm sagen: Meine Brüder, und das Haus meines Vaters, welche im Lande Chanaan waren, sind zu mir gekommen. 32Und zwar sind die Männer Schafhirten und treiben Viehzucht; ihre Schafe und Rinder, und alles, was sie besaßen, haben sie mitgebracht. 33Wenn er euch nun rufen last und fragt: Welches ist euer Beruf? 34So antwortet: Deine Knechte sind Hirten von Jugend auf und bis jetzt, wir, sowohl wie unsere Väter. Das aber saget, damit ihr im Lande Gessen wohnen könnet, denn die Ägypter verabscheuen alle Schafhirten.

Genesis 47

1Joseph also ging hin zu Pharao und berichtete ihm also: Mein Vater und meine Brüder sind mit ihren Schafen und Rindern, und allem, was sie besitzen, aus dem Lande Chanaan gekommen; und siehe, sie befinden sich im Lande Gessen. 2Auch stellte er zuletzt fünf aus der Zahl seiner Brüder dem Könige vor. 3Als dieser sie fragte: Was habt ihr für einen Beruf? antworteten sie: Deine Knechte sind Schafhirten, wir sowohl wie unsere Väter. 4Wir sind gekommen, um uns seine Zeitlang in deinem Lande aufzuhalten; denn die Herden deiner Knechte haben keine Weide, da der Hunger schwer auf dem Lande Chanaan lastet; so bitten wir denn, lass uns, deine Knechte, im Lande Gessen weilen. 5Da sprach der König zu Joseph: Dein Vater und deine Brüder sind zu dir gekommen. 6Das Land Ägypten liegt vor dir; lass sie am besten Orte Wohnsitz nehmen und übergib ihnen das Land Gessen. Wenn du weißt, dass geeignete Männer unter ihnen sind, so mache sie zu Oberaufsehern über meine Herden. 7Darnach führte Joseph seinen Vater zum Könige hinein und stellte ihm denselben vor; und dieser segnete den König. 8Und da er von ihm gefragt ward: Wie viel sind die Tage deiner Lebensjahre? 9antwortete er: Die Tage meiner Pilgerschaft sind hundert und dreißig Jahre, wenige und böse, und reichen nicht an die Tage meiner Väter heran, in denen sie ihre Pilgerschaft vollendeten. 10Und er segnete den König und ging hinaus. 11Joseph aber gab seinem Vater und seinen Brüdern Besitzungen in Ägypten in der besten Gegend des Landes, in Ramesses, wie Pharao geboten. 12Und er versorgte sie und das ganze Haus seines Vaters, indem er einem jeden Lebensunterhalt gab. 13Denn es mangelte in allen Landen an Brot und der Hunger bedrückte die Erde, vorzüglich Ägypten und Chanaan. 14Aus diesen Ländern brachte er alles Geld zusammen für den Verkauf des Getreides und tat es in die Schatzkammer des Königs. 15Als es nun den Käufern an Geld mangelte, kam ganz Ägypten zu Joseph und sprach: Gib uns Brot; warum sollen wir vor deinen Augen wegen Mangels an Geld sterben? 16Er antwortete ihnen: Bringet euer Vieh, und ich will euch für dasselbe Brot geben, wenn ihr kein Geld habt. 17Und da sie es brachten, gab er ihnen Nahrung für die Pferde, die Schafe, die Rinder und die Esel; und er versorgte sie in diesem Jahre gegen Eintausch ihres Viehes. 18Im anderen Jahre kamen sie wiederum und sprachen zu ihm: Wir wollen es unserm Herrn nicht verhehlen, dass unser Geld und unser Vieh zumal dahin sind; auch ist es dir nicht verborgen, dass wir nichts mehr haben, als unsern Leib und unser Land. 19Warum sollen wir also sterben vor deinen Augen? Wir und unser Land sollen dein sein. Kaufe uns, dass wir dem Könige dienstbar werden, und verabreiche uns Saatgetreide, damit die Erde nicht aus Mangel an Anbauern zu einer Wüste werde. 20So kaufte Joseph also den ganzen Boden Ägyptens, denn einer nach dem anderen verkaufte seine Liegenschaften, so groß war die Hungersnot. Und er machte den Boden dem Pharao eigen, 21sowie die ganze Bevölkerung, von einem Ende Ägyptens bis zum andern, 22nur nicht das Land der Priester, das ihnen vom Könige eingeräumt war; denn sie bekamen auch bestimmtes Getreide aus den öffentlichen Vorratshäusern und waren also nicht gezwungen, ihre Besitzungen zu verkaufen. 23Da sprach Joseph zum Volke: Sehet, ihr und euer Land gehört dem Pharao, wie ihr wisst; empfanget Saatkorn und bestellet die Äcker, 24damit ihr Früchte erhalten könnet. Den fünften Teil davon gebet dem Könige ab, die vier übrigen überlasse ich euch zur Aussaat und zur Ernährung für eure Familie und Kinder. 25Sie antworteten: Unser Heil ist in deiner Hand; möge unser Herr nur gnädig auf uns sehen, so wollen wir dem Könige freudig dienstbar sein. 26Von jener Zeit an bis auf den heutigen Tag wird im ganzen Lande Ägypten den Königen der fünfte Teil abgeliefert, und es ward zum Gesetze, nur nicht für den Boden der Priester, welcher frei von dieser Verbindlichkeit blieb. 27Israel wohnte also in Ägypten, das ist im Lande Gessen, und hatte es im Besitze; und nahm zu, und mehrte sich sehr. 28Und er lebte in demselben siebzehn Jahre, und alle Tage seines Lebens wurden hundert und siebenundvierzig Jahre. 29Als er nun den Tag seines Todes herannahen sah, ließ er seinen Sohn Joseph rufen und sprach zu ihm: Habe ich Gnade in deinen Augen gefunden, so lege deine Hand unter meine Hüfte und erweise mir die Liebe und Treue, mich nicht in Ägypten zu begraben; 30sondern ich will bei meinen Vätern schlafen, und du sollst mich aus diesem Lande wegführen und mich im Begräbnisse meiner Vorfahren beisetzen. Da antwortete ihm Joseph: Ich werde tun, was du befohlen hast. 31Er sprach: So schwöre mir! Und er schwur, Israel aber betete Gott an, geneigt zu Häupten seines Bettes.