Zum Inhalt springen

Die Bibel in einem Jahr · Tag 67 von 365

Rut 1–4

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Rut 1

1In den Tagen eines Richters, als die Richter an der Spitze standen, entstand eine Hungersnot im Lande. Da zog ein Mann von Bethlehem in Juda fort, um als Fremdling im Lande Moab mit seinem Weibe und seinen zwei Söhnen Wohnung zu nehmen. 2Er hieß Elimelech, und sein Weib Noemi, und seine beiden Söhne, der eine Mahalon und der andere Chelion, Ephrathiter aus Bethlehem in Juda. Und sie zogen in das Land Moab und weilten daselbst. 3Da starb Elimelech, der Mann Noemis, und sie blieb mit ihren Söhnen zurück. 4Diese nahmen sich moabitische Frauen, von denen die eine Orpha, die andere aber Ruth hieß. Und sie blieben daselbst zehn Jahre. 5Und beide starben, Mahalon nämlich und Chelion; und die Frau blieb zurück, des Mannes und der beiden Söhne beraubt. 6Da machte sie sich mit ihren beiden Schwiegertöchtern auf, um aus dem Lande Moab in ihr Vaterland zurückzukehren; denn sie hatte gehört, dass der Herr sein Volk wieder angesehen und ihnen Speise gegeben habe. 7So zog sie denn mit ihren beiden Schwiegertöchtern von dem Orte, wo sie als Fremde geweilt, fort. Als sie nun schon auf dem Rückwege in das Land Juda war, 8sprach sie zu diesen: Gehet heim in das Haus eurer Mutter; der Herr möge euch Barmherzigkeit erweisen, wie ihr sie den Verstorbenen und mir erwiesen habt! 9Er gebe euch, dass ihr eine Ruhestätte in dem Hause der Männer findet, die ihr erhalten werdet. Sodann küsste sie dieselben. Sie aber erhoben ihre Stimme und fingen an zu weinen 10und sprachen: Wir werden mit dir zu deinem Volke gehen! 11Jene antwortete ihnen: Kehret um, meine Töchter! Warum sollt ihr mit mir gehen? Habe ich etwa noch Söhne in meinem Schoße, dass ihr Männer von mir hoffen könntet? 12Kehret um, meine Töchter, und gehet hin; denn ich bin nun schon sehr alt und nicht mehr für das Band der Ehe geeignet. Und könnte ich auch noch in dieser Nacht empfangen und Söhne gebären, 13so würdet ihr doch alt werden, ehe ihr heiratet, wenn ihr warten wolltet, bis sie groß und mannbar geworden sind. Nicht doch, meine Töchter! denn eure Bedrängnis drückt mich noch mehr und die Hand des Herrn ist wider mich ausgegangen! 14Da erhoben sie ihre Stimme und begannen wieder zu weinen. Und Orpha küsste ihre Schwiegermutter und kehrte um; Ruth aber blieb bei ihrer Schwiegermutter. 15Noemi sprach zu ihr: Siehe, deine Verwandte ist zu ihrem Volke und zu ihren Göttern zurückgekehrt, gehe mit ihr! 16Sie aber antwortete: Sei mir nicht entgegen, dass ich dich verlassen und fortgeben muss; denn wo du immer hingehst, gehe ich hin, und wo du bleibst, bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott! 17Das Land, das dich im Tode aufnimmt, in diesem will ich sterben, und dort soll der Ort meines Begräbnisses sein. Dies und das noch dazu möge mir der Herr tun, wenn nicht der Tod allein mich von dir scheidet! 18Da also Noemi sah, dass Ruth fest entschlossen war, mit ihr zu ziehen, wollte sie sich nicht mehr widersetzen und sie nicht ferner zur Rückkehr zu den Ihrigen bereden. 19So zogen sie mitsammen fort und kamen nach Bethlehem. Als sie aber in die Stadt gekommen waren, verbreitete sich alsbald bei allen die Kunde davon, und die Frauen sprachen: Das ist die Noemi! 20Sie sprach zu ihnen: Nennet mich nicht Noemi (das ist die Schöne), sondern nennet mich Mara (d. i. die Betrübte); denn der Allmächtige hat mich mit vieler Betrübnis erfüllt. 21Voll zog ich aus, und leer hat mich der Herr zurückgeführt. Warum nennt ihr mich also Noemi, da der Herr mich gedemütigt und der Allmächtige mich betrübt hat? 22So kam Noemi mit Ruth, der Moabitin, ihrer Schwiegertochter, aus dem Lande, wo sie als Fremde geweilt, und kehrte nach Bethlehem zurück, um die Zeit, als eben die Gerstenernte begann.

Rut 2

1Elimelech aber, ihr Mann, hatte einen Verwandten, einen mächtigen und wohlhabenden Mann, namens Booz. 2Und Ruth, die Moabitin, sagte zu ihrer Schwiegermutter: Befiehlst du, so gehe ich auf das Feld und lese die Ähren, die den Händen der Schnitter entgehen, wo ich immer bei einem gütigen Hausvater Gnade finde. Diese antwortete ihr: Gehe hin, meine Tochter! 3Da ging sie hin und las Ähren auf hinter den Schnittern her. Es traf sich aber, dass dieser Acker einem Manne namens Booz gehörte, der aus der Verwandtschaft Elimelechs war. 4Und siehe, er kam aus Bethlehem und sprach zu den Schnittern: Der Herr sei mit euch! Sie entgegnete ihm: Der Herr segne dich! 5Da sprach Booz zu dem Jünglinge, der über die Schnitter gesetzt war: Wem gehört dieses Mädchen an? 6Er antwortete ihm: Es ist eine Moabitin, welche mit Noemi aus dem Lande Moab gekommen ist; 7sie hat gebeten, hinter den Schnittern hergehend, die Ähren auflesen zu dürfen, die zurückbleiben; und sie steht seit dem Morgen bis jetzt auf dem Felde und ist nicht einen Augenblick nach Hause zurückgekehrt. 8Da sprach Booz zu Ruth: Höre, meine Tochter! gehe auf keinen andern Acker zum Auflesen und verlass diesen Ort nicht, sondern halte dich an meine Mägde, 9und wo sie schneiden, da folge ihnen; denn ich habe meinen Knechten geboten, dass niemand dir wehre. Und wenn dich dürstet, so gehe hin zu den Gefäßen und trinke von dem Wasser, von dem auch die Knechte trinken. 10Da warf sie sich auf ihr Angesicht, neigte sich nieder zur Erde und sprach zu ihm: Woher kommt mir dies, dass ich in deinen Augen Gnade gefunden habe und du dich gewürdigt hast, mich, ein fremdes Weib, zu kennen? 11Er antwortete ihr: Es ist mir alles kund geworden, was du an deiner Schwiegermutter nach dem Tode deines Mannes getan hast; und dass du deine Eltern und das Land, in dem du geboren, verlassen hast und zu einem Volke gegangen bist, welches du vorher nicht kanntest. 12Der Herr vergelte dir dein Tun und du mögest den vollen Lohn von dem Herrn, dem Gott Israels, erlangen, zu dem du gekommen bist und unter dessen Flügel du dich geflüchtet hast. 13Da sprach sie: Ich habe in deinen Augen Gnade gefunden, mein Gebieter; du hast mich getröstet und hast zu dem Herzen deiner Magd gesprochen, obwohl ich doch keiner deiner Mägde gleich bin! 14Booz sprach zu ihr: Wenn die Essenszeit da ist, so komm hierher und iß Brot und tauche deinen Bissen in den Essig. Da setzte sie sich neben die Schnitter, und er legte ihr Röstkorn vor, und sie aß und wurde satt und nahm das, was übrig blieb, an sich. 15Hierauf stand sie auf, um nach ihrer Gewohnheit wieder Ähren zu sammeln. Booz aber gebot seinen Knechten und sprach: Wenn sie auch mit euch schneiden wollte, so verwehret es ihr nicht; 16auch werfet von euren Garben geflissentlich etwas hin und lasset es liegen, dass sie es ohne Scheu auflese, und niemand schelte sie, wenn sie sammelt. 17So las sie denn auf dem Felde auf bis zum Abend; und als sie das, was sie gelesen hatte, mit dem Stabe ausschlug und ausklopfte, fand sie etwa ein Epha Gerste, das ist drei Maß. 18Diese nahm sie auf und ging in die Stadt zurück und zeigte sie ihrer Schwiegermutter; darauf zog sie das hervor, was sie übrig behalten hatte von der Speise, von der sie sich gesättigt hatte, und gab es ihr. 19Da fragte ihre Schwiegermutter sie: Wo hast du heut gesammelt und wo hast du gearbeitet? Gesegnet sei der, welcher sich deiner erbarmt hat! Sie teilte ihr mit, bei wem sie gearbeitet hatte, und sagte, dass der Name des Mannes Booz heiße. 20Da antwortete ihr Noemi: gesegnet sei er von dem Herrn! Denn dieselbe Gnade, die er den Lebenden erwiesen, hat er auch den Toten bewahrt! Und wiederum sprach sie: Der Mann ist unser Verwandter! 21Ruth sprach: Auch das hat er mir befohlen, ich solle mich so lange zu seinen Schnittern halten, bis alle Saaten eingeerntet seien. 22Ihre Schwiegermutter sagte zu ihr: Es ist besser, meine Tochter, dass du mit seinen Mägden hinausgehest, um zu ernten, damit niemand auf einem fremden Acker dir wehre! 23So hielt sie sich zu den Mägden des Booz und erntete mit ihnen so lange, bis Gerste und Weizen in die Scheuern gebracht waren.

Rut 3

1Als sie aber wieder zu ihrer Schwiegermutter zurückkam, vernahm sie von dieser: Meine Tochter! ich will Ruhe für dich suchen und sorgen, dass es dir wohl gehe. 2Dieser Booz, zu dessen Mägden du dich auf dem Acker gehalten hast, ist unser Verwandter; und diese Nacht worfelt er auf der Tenne Gerste. 3Darum wasche dich und salbe dich, lege deine besten Gewänder an und gehe zur Tenne hinunter; lass dich aber nicht von dem Manne sehen, bevor er aufgehört hat zu essen und zu trinken. 4Wenn er aber schlafen gegangen ist, so merke dir den Ort, wo er schläft, alsdann gehe hinzu, hebe die Decke, mit der er bedeckt ist, an der Seite der Füße auf und lege dich hin und bleibe da liegen; er selbst wird dir sagen, was du tun sollst. 5Sie antwortete: Alles, was du befiehlst, werde ich tun. 6Hierauf ging sie zur Tenne hinunter und tat alles, was ihre Schwiegermutter ihr aufgetragen hatte. 7Als nun Booz gegessen und getrunken hatte und fröhlicher geworden war und sich bei einem Haufen Garben schlafen gelegt hatte, nahte sie heimlich, hob die Decke von seinen Füßen auf und legte sich nieder. 8Und siehe, schon um Mitternacht fuhr der Man auf und erschrak; denn er sah eine Frau zu seinen Füßen liegen. 9Und er sprach zu ihr: Wer bist du? Sie antwortete: Ich bin Ruth, deine Magd; breite deinen Mantel aus über deine Magd, denn du bist mein Verwandter. 10Er sprach: Gesegnet bist du vom Herrn, o Tochter! Denn du hast deine frühere Barmherzigkeit durch die nachfolgende übertroffen, weil du nicht den Jünglingen nachgingest, weder armen noch reichen. 11Fürchte dich also nicht, sondern wie du mir sagst, so will ich an dir handeln; denn das ganze Volk, das innerhalb der Tore meiner Stadt wohnt, weiß, dass du eine tugendhafte Frau bist. 12Auch leugne ich nicht, dass ich dein Verwandter bin; aber es ist ein anderer da, der noch näher verwandt ist als ich. 13Ruhe diese Nacht; und wenn er dich morgen nach dem Rechte der Verwandtschaft behalten will, so ist es wohlgetan; will er aber nicht, so werde ich dich ohne Bedenken nehmen, so wahr der Herr lebt. Schlafe bis morgen! 14Sie schlief also zu seinen Füßen, bis die Nacht vorüber war. Dann erhob sie sich, ehe noch ein Mensch den andern erkennen konnte, und Booz sprach: Habe acht, dass es niemanden bekannt werde, dass du hierher gekommen bist! 15Alsdann sprach er: Breite deinen Mantel aus, den du trägst, und halte ihn mit beiden Händen. Sie breitete ihn aus und hielt ihn hin, und er maß ihr sechs Maß Gerste ab und legte sie ihr auf. Mit diesen ging sie in die Stadt 16und kam zu ihrer Schwiegermutter. Diese sprach zu ihr: Was hast du ausgerichtet, meine Tochter? Da erzählte sie ihr alles, was der Mann ihr getan hatte, 17und sprach: Siehe, sechs Maß Gerste hat er mir gegeben und gesagt: Ich will dich nicht leer zu deiner Schwiegermutter zurückkehren lassen. 18Noemi sprach: Gedulde dich, meine Tochter, bis wir sehen, welchen Ausgang die Sache nimmt; denn der Mann wird nicht ruhen, ehe er erfüllt, was er gesprochen hat.

Rut 4

1Hierauf ging Booz zum Tore hinaus und setzte sich daselbst. Und als er den Verwandten vorübergehen sah, von welchem vorher Erwähnung getan ist, rief er ihn bei seinem Namen und sprach zu ihm: Komme ein wenig hierher und setze dich nieder! Dieser trat herzu und setzte sich. 2Alsdann nahm Booz zehn Männer von den Ältesten der Stadt und sprach zu ihnen: Setzet euch hierher! 3Als sie sich gesetzt hatten, sprach er zu dem Verwandten: Das Stück Feld, welches unserm Bruder Elimelech gehört, bietet Noemi, die aus dem Lande Moab heimgekehrt ist, feil. 4Dies wollte ich dir kund tun und vor allen, die hier sitzen, und vor den Ältesten meines Volkes sagen. Willst du es nach dem Rechte der Verwandtschaft in Besitz nehmen, so kauf es und nimm es in Besitz; gefällt es dir aber nicht, so zeige mir auch das an, damit ich weiß, was ich zu tun habe; denn es ist kein Verwandter da, außer dir, der du der nächste bist, und mir, der nach dir kommt. Er aber antwortete: Ich will den Acker kaufen! 5Booz sprach zu ihm: Wenn du den Acker aus der Hand kaufst, so musst du auch Ruth, die Moabitin, die Frau des Verstorbenen, nehmen, um dem Namen deines Verwandten für sein Erbeigentum wieder zu erwecken. 6Da antwortete er: Ich begebe mich des Rechtes der Verwandtschaft; denn ich darf meine Familie nicht der Nachkommenschaft berauben. Übe du mein Vorrecht aus, dessen ich mich gerne zu begeben erkläre. 7Nun war es von alters her Herkommen in Israel unter Verwandten, dass, wenn einer dem andern sein Recht abtrat, er zur Bestätigung der Verzichtleistung seinen Schuh auszog und ihn seinem Verwandten gab. Dies war die Beugung der Verzichtleistung in Israel. 8Darum sprach Booz zu seinem Verwandten: Ziehe deinen Schuh aus! Alsbald zog er ihn von seinem Fuße. 9Jener aber sprach zu den Ältesten und zu dem ganzen Volke: Ihr seid heute Zeugen, dass ich alles in Besitz nehme, was Elimelech und Mahalon gehört hat, da Noemi es übergibt; 10und dass ich Ruth, die Moabitin, das Weib Mahalons, zur Frau nehme, und den Namen des Verstorbenen für sein Erbeigentum wieder zu erwecken, damit sein Name nicht ausgetilgt werde aus seinem Geschlechte, seinen Brüdern und seinem Volke. Des, sage ich, seid ihr Zeugen! 11Da sprach das ganze Volk, das am Tore war, und die Ältesten: Wir sind Zeugen! Der Herr mache diese Frau, die in dein Haus einzieht, wie Rachel und Lia, welche das Haus Israel erbaut haben, dass sie ein Tugendspiegel in Ephratha sei und ihr Name gefeiert werde in Bethlehem. 12Und dein Haus werde wie das Haus Phares, welchen Thamar dem Juda gebar, durch die Nachkommenschaft, welche dir der Herr von diesem Mädchen geben wird. 13Booz also nahm Ruth und sie ward sein Weib; und als er zu ihr einging, verlieh ihr der Herr, dass sie empfing und einen Sohn gebar. 14Da sprachen die Frauen zu Noemi: Gepriesen sei der Herr, der nicht zuließ, dass in deiner Familie ein Erbe fehlte, dessen Name in Israel genannt werde, 15so dass du jemanden hast, der dich tröstet und dein Alter versorgt; denn deine Schwiegertochter, die dich liebt, hat ihn geboren, und sie ist für dich besser, als wenn du sieben Söhne hättest. 16Und Noemi nahm den Knaben und legte ihn auf ihren Schoß und pflegte ihn wie eine Amme und Wärterin. 17Die Nachbarinnen aber wünschten ihr Glück und sprachen: der Noemi ist ein Sohn geboren! Und sie nannten seinen Namen Obed; dieser ist der Vater Isais, des Vaters Davids. 18Dies sind die Geschlechtsfolgen des Phares: Phares zeugte Esron, 19Esron zeugte Aram, Aram zeugte Aminadab, 20Aminadab zeugte Nahasson, Nahasson zeugte Salmon, 21Salmon zeugte Booz, Booz zeugte Obed, 22Obed zeugte Isai, Isai zeugte David.

Sie möchten selbst einen Tag einlesen? Zum Lesekalender