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Die Bibel in einem Jahr · Tag 64 von 365

Richter 12–15

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Richter 12

1Aber siehe, ein Aufstand erhob sich in Ephraim; es zogen nämlich Männer nach Norden und sprachen zu Jephte: Warum bist du in den Kampf gegen die Söhne Ammons gezogen und hast uns nicht gerufen, damit wir mit dir zogen? Jetzt werden wir dafür dein Haus anzünden. 2Er antwortete ihnen: Ich und mein Volk hatten einen heftigen Streit mit den Söhnen Ammons; da rief ich euch, mir zu Hilfe zu kommen, aber ihr habt es nicht tun wollen. 3Da ich das sah, wagte ich mein Leben und zog gegen die Söhne Ammons, und der Herr gab sie in meine Hand. Was habe ich verschuldet, dass ihr euch zum Kampfe gegen mich erhebt? 4Und er berief alle Männer von Galaad zu sich und kämpfte mit Ephraim; und die Männer von Galaad schlugen Ephraim, weil sie gesagt hatten: Galaad ist abtrünnig geworden von Ephraim und wohnt inmitten von Ephraim und Manasse. 5Dann besetzten die Galaaditer die Furten des Jordans, durch welche Ephraim zurückkehren musste. Wenn dann einer von den Ephraimiten auf der Flucht dahin kam und sprach: Ich bitte, lasset mich hinübergehen, so sprachen die Galaaditer zu ihm: Bist du ein Ephraimiter? Und wenn er sagte: Ich bin keiner, 6so sprachen sie zu ihm. Dann sage Schibboleth! was Ähre bedeutet. Sagte er nun Sibboleth! Und konnte das Wort Ähre nicht mit dem rechten Buchstaben aussprechen, so ergriffen sie ihn alsbald und töteten ihn an der Furt des Jordans. So fielen zu jener Zeit aus Ephraim zweiundvierzigtausend. 7Jephte also, der Galaadite, richtete Israel sechs Jahre, und er starb und ward in seiner Stadt Galaad begraben. 8Nach ihm richtete Abesan aus Bethlehem Israel. 9Dieser hatte dreißig Söhne und ebensoviele Töchter, die er aus dem Hause entließ und Männern gab; und seinen Söhnen gab er ebensoviele Frauen, welche er in sein Haus einführte. Er richtete Israel sieben Jahre; 10und er starb und ward in Bethlehem begraben. 11Nach ihm kam Ahialon, der Zabulonite, und richtete Israel zehn Jahre; 12und er starb und ward in Zabulon begraben. 13Nach ihm richtete Israel Abdon, der Sohn Illels, der Pharathonite. 14Dieser hatte vierzig Söhne und dreißig Enkel von ihnen, welche auf siebzig Eselsfüllen ritten; und er richtete Israel acht Jahre; 15und er starb und ward in Pharathon, im Lande Ephraim, auf dem Gebirge der Amalekiter begraben.

Richter 13

1Da nun die Söhne Israels wieder taten, was in den Augen des Herrn böse war, gab er sie in die Hand der Philister vierzig Jahre hindurch. 2Es war aber ein Mann von Saraa, vom Stamme Dan, mit Namen Manue, dessen Weib war unfruchtbar. 3Dieser erschien der Engel des Herrn und sprach zu ihr: Du bist unfruchtbar und kinderlos; aber du wirst empfangen und einen Sohn gebären; 4hüte dich also, Wein und starkes Getränk zu trinken, oder etwas Unreines zu essen! 5Denn du wirst empfangen und einen Sohn gebären, dessen Haupt kein Schermesser berühren soll; denn er soll von Kindheit auf, vom Mutterleibe an, ein Nazaräer Gottes sein; und er wird anfangen, Israel aus der Hand der Philister zu befreien. 6Als sie zu ihrem Manne kam, sprach sie zu ihm: Ein Mann Gottes kam zu mir, sein Angesicht war wie das eines Engels, und sein Aussehen sehr furchtbar. Und da ich ihn fragte, wer er sei und woher er komme, und wie er heiße, wollte er es mir nicht sagen, 7sondern antwortete nur dies: Siehe, du wirst empfangen, und einen Sohn gebären, so hüte dich, Wein oder starke Getränke zu trinken oder etwas Unreines zu essen; denn der Knabe soll ein Nazaräer Gottes sein von Kindheit auf, vom Mutterleibe an, bis zum Tage seines Todes. 8Da betete Manue zu dem Herrn und sprach: Ich bitte, Herr! der Mann Gottes, den du gesandt, möge auch einmal kommen und uns belehren, was wir mit dem Knaben tun sollen, der geboren werden soll! 9Und der Herr erhörte das Gebet Manues, und der Engel Gottes erschien seinem Weibe wieder, während sie auf dem Felde saß. Manue aber, ihr Mann, war nicht bei ihr. Da sie nun den Engel sah, 10lief sie eilends zu ihrem Manne und verkündete ihm: Siehe, der Mann ist mir erschienen, welchen ich vorhin gesehen habe. 11Da machte er sich auf und folgte seinem Weibe; und als er zu dem Manne kam, sprach er zu ihm: Bist du es, der zu dem Weibe gesprochen hat? Er antwortete: Ich bin es. 12Manue sprach zu ihm: Wenn sich dein Wort erfüllt hat, was soll der Knabe tun, oder wovon soll er sich enthalten? 13Der Engel des Herrn sprach zu Manue: Von allem, was ich deinem Weibe angezeigt habe, soll er sich enthalten. 14Nichts, was vom Weinstocke kommt, soll er genießen. Wein und starkes Getränk soll er nicht trinken, nichts Unreines essen; und was ich ihm geboten habe, soll er erfüllen und beobachten. 15Da sprach Manue zu dem Engel des Herrn: ich bitte, erfülle noch meine Bitte; wir wollen dir ein Ziegenböcklein zubereiten. 16Doch der Engel entgegnete ihm: Wenn du mich auch nötigtest, würde ich deine Speise doch nicht essen; willst du aber ein Brandopfer herrichten, so bringe es dem Herrn dar. Manue wusste nämlich nicht, dass es der Engel des Herrn sei. 17Und er sprach zu ihm: Wie heißest du, damit wir dich ehren, wenn dein Wort in Erfüllung gegangen ist? 18Der Engel antwortete ihm: Warum fragst du nach meinem Namen? Er ist Wunderbar. 19Da nahm Manue ein Ziegenböckchen und Trankopfer und legte diese auf einem Felsen nieder und brachte sie dem Herrn dar, welcher wunderbare Dinge tut; er aber und sein Weib schauten zu. 20Als nun die Flamme vom Altare zum Himmel aufstieg, fuhr auch der Engel des Herrn in der Flamme empor. Da Manue und sein Weib dies sahen, warfen sie sich auf ihr Angesicht zur Erde nieder. 21Und da der Engel des Herrn sich ihnen nicht mehr zeigte, erkannte Manue alsbald, dass es der Engel des Herrn war, 22und sprach zu seinem Weibe: Wir müssen des Todes sterben, denn wir haben Gott gesehen! 23Das Weib antwortete ihm: Wenn der Herr uns töten wollte, so hätte er nicht aus unsern Händen das Brandopfer und Trankopfer angenommen, noch uns dies alles sehen lassen, noch uns gesagt, was da kommen soll. 24Sie gebar also einen Sohn und nannte ihn Samson. Und der Knabe wuchs heran, und der Segen des Herrn ruhte auf ihm. 25Und der Geist des Herrn fing an, mit ihm zu sein im Lager von Dan zwischen Saraa und Esthaol.

Richter 14

1Da nun Samson nach Thamnatha ging, sah er daselbst ein Weib von den Töchtern der Philister. 2Und er kehrte zurück, erzählte es seinem Vater und seiner Mutter und sprach: Ich habe ein Weib in Thamnatha unter den Töchtern der Philister gesehen, ich bitte euch, nehmet mir diese zum Weibe. 3Da antwortete ihm sein Vater und seine Mutter: Gibt es unter den Töchtern deiner Brüder und in meinem ganzen Volke kein Weib, warum willst du also von den Philistern, den Unbeschnittenen, ein Weib nehmen? Samson sprach zu seinem Vater: Diese nimm mir; denn sie gefiel meinen Augen. 4Aber seine Eltern wussten nicht, dass die Sache von dem Herrn kam und dass er einen Anlass wider die Philister suchte; denn zu jener Zeit herrschten die Philister über Israel. 5Samson ging nun mit seinem Vater und mit seiner Mutter nach Thamnatha hinab. Als sie zu den Weinbergen der Stadt kamen, zeigte sich ein junger Löwe, grimmig und brüllend, und ging auf ihn zu. 6da kam der Geist des Herrn über Samson, und er zerriss den Löwen, als ob er ein Böckchen in Stücke risse, ohne dass er etwas in der Hand hatte; seinem Vater und seiner Mutter aber wollte er davon nichts sagen. 7Und er ging hinab und redete mit dem Weibe, die seinen Augen gefallen hatte. 8Als er nun nach einiger Zeit wieder dahin kam, um sie zum Weibe zu nehmen, bog er vom Wege ab, um die Leiche des Löwen zu sehen, und siehe, da war ein Bienenschwarm in dem Rachen des Löwen und Honigseim. 9Diese nahm er in die Hand und aß davon auf dem Wege; und als er zu seinem Vater und zu seiner Mutter kam, gab er ihnen einen Teil, und sie aßen auch davon; er wollte ihnen aber nicht sagen, dass er den Honig aus dem Leichname des Löwen genommen hatte. 10Darauf ging sein Vater zu dem Weibe hinab und bereitete seinem Sohn Samson ein Mahl; so nämlich pflegten die jungen Männer zu tun. 11Als ihn nun die Bürger des Ortes sahen, gaben sie ihm dreißig Genossen, die bei ihm sein sollten. 12Zu diesen sprach Samson: Ich will euch ein Rätsel aufgeben; wenn ihr mir dasselbe innerhalb der sieben Tage des Mahles löset, will ich euch dreißig Unterkleider und ebenso viele Gewänder geben; 13wo ihr es aber nicht lösen könnt, so sollt ihr mir dreißig Unterkleider und ebenso viele Gewänder geben. Sie antworteten ihm: Gib dein Rätsel auf, dass wir es hören. 14Da sprach er zu ihnen: Vom Fresser ging Speise aus, und vom Starken Süßigkeit. Sie konnten aber das Rätsel drei Tage lang nicht lösen. 15Als nun der siebte Tag herankam, sprachen sie zu dem Weibe Samsons: Schmeichle deinem Manne und berede ihn, dass er dir angibt, was das Rätsel bedeutet. Willst du das aber nicht tun, so werden wir dich und das Haus deines Vaters verbrennen. Oder habt ihr uns deshalb zur Hochzeit geladen, um uns zu berauben? 16Da weinte sie vor Samson und klagte und sprach: Du bist mir gram und hast mich nicht lieb; darum willst du mir das Rätsel, welches du den Söhnen meines Volkes aufgegeben hast, nicht lösen. Er aber antwortete: Meinem Vater und meiner Mutter habe ich es nicht sagen wollen, und dir sollte ich es kundtun können? 17Da weinte sie die sieben Tage des Mahls vor ihm; endlich am siebten Tag, als sie ihm allzu lästig ward, sagte er ihr die Lösung. Sofort teilte sie dieselbe ihren Mitbürgern mit. 18Diese sagten am siebten Tage, noch ehe die Sonne unterging, zu ihm: was ist süßer als Honig, und was ist stärker als der Löwe? Er antwortete ihnen: Hättet ihr nicht mit einem Kalbe gepflügt, so hättet ihr mein Rätsel nicht erraten! 19Da kam der Geist des Herrn über ihn, und er ging nach Askalon hinab und erschlug daselbst dreißig Männer; diesen nahm er die Kleider und gab sie denen, welche das Rätsel gelöst hatten. Hierauf ging er in großem Zorne hinauf in das Haus seines Vaters; 20sein Weib aber nahm sich einen von seinen Freunden und Hochzeitsgenossen zum Manne.

Richter 15

1Nach einiger Zeit aber, als die Zeit der Weizenernte bevorstand, kam Samson und wollte sein Weib besuchen und brachte ihr ein Ziegenböcklein. Als er indes in ihre Kammer gehen wollte, wie sonst, hielt ihr Vater ihn zurück und sprach: 2Ich glaubte, du seiest ihr gram geworden, und habe sie darum deinem Freunde gegeben; aber sie hat eine Schwester, welche jünger und schöner ist als sie; diese mag statt ihrer dein Weib werden. 3Da antwortete ihm Samson: Von nun an bin ich ohne Schuld den Philistern gegenüber, denn ich werde euch Böses tun. 4Und er ging hin und fing dreihundert Füchse und band sie je zwei mit den Schwänzen zusammen und befestigte Fackeln in der Mitte. 5Diese zündete er an und ließ die Füchse frei, dass sie hierhin und dorthin liefen. Alsbald stürzten die Füchse in die Saatfelder der Philister. Diese gerieten in Brand, und das schon zusammengebrachte Getreide verbrannte samt dem auf den Halmen stehenden derart, dass das Feuer auch die Weinberge und Ölgärten verzehrte. 6Da sprachen die Philister: Wer hat dies getan? Man sagte ihnen: Samson, der Eidam des Thamnathäers, hat dies getan, weil dieser ihm sein Weib genommen und einem andern gegeben hat. Da zogen die Philister hinauf und verbrannten ebenso das Weib wie ihren Vater. 7Samson aber sprach zu ihnen: Wenn ihr dies auch getan habt, so werde ich doch auch jetzt noch nicht eher ruhen als bis ich an euch Rache genommen habe. 8Und er brachte ihnen eine schwere Niederlage bei, so dass sie vor Schrecken ihre Waden an ihre Hüfte legten; dann ging er hinab und wohnte in der Felsenhöhle von Etam. 9Da zogen die Philister in das Land Juda hinauf und lagerten sich an dem Orte, welcher nachher Lechi, das ist Kinnbacken, genannt ward; dort breitete sich ihr Kriegsheer aus. 10Die Männer vom Stamme Juda aber sprachen zu ihnen: warum seid ihr gegen uns heraufgezogen? Sie antworteten: Wir sind gekommen, um Samson zu binden und ihm zu vergelten, was er an uns getan hat. 11Da zogen dreitausend von den Männern Judas zur Felsenkluft von Etam hinab und sprachen zu Samson: Weißt du nicht, dass die Philister über uns herrschen? Warum hast du uns das angetan? Er sprach zu ihnen: Wie sie mir getan haben, so habe ich ihnen getan! 12Sie erwiderten ihm: Wir sind gekommen, dich zu binden und in die Hände der Philister zu überliefern. Da sprach Samson zu ihnen: Schwöret und gelobet mir, dass ihr mich nicht töten wollt! 13Sie sprachen: Wir wollen dich nicht töten, sondern nur binden und ausliefern. Und sie banden ihn mit zwei neuen Stricken und brachten ihn von dem Felsen Etam fort. 14Als er aber an den Ort des Kinnbackens kam und die Philister ihm mit lautem Geschrei entgegenliefen, kam der Geist des Herrn über ihn; und wie Flachs in der Nähe des Feuers zu verbrennen pflegt, so lösten sich die Bande, mit denen er gefesselt war, und fielen auseinander. 15Und da er einen Kinnbacken, das ist einen Eselskinnbacken fand, der da lag, nahm er ihn, und erschlug damit tausend Mann, 16und sprach: Mit eines Esels Kinnbacken, mit dem Kinnbacken eines jungen Esels habe ich sie vernichtet und tausend Mann erschlagen. 17Nachdem er so gesungen, warf er den Kinnbacken aus seiner Hand und nannte den Namen jenes Ortes Ramath-Lechi, das ist Kinnbackenhöhe. 18Da ihn aber sehr dürstete, rief er zu dem Herrn und sprach: Du hast durch die Hand deines Dieners dies große Heil und diesen Sieg gegeben; siehe, ich sterbe vor Durst und werde in die Hände der Unbeschnittenen fallen. 19Da öffnete der Herr einen Mahlzahn im Kinnbacken des Esels, und es floss Wasser daraus hervor. Als er davon trank, ward sein Geist erquickt und seine Kräfte kehrten wieder. Daher ward der Name dieses Ortes: Des Anrufenden Quelle aus dem Kinnbacken genannt bis auf diesen Tag. 20Und er richtete Israel in den Tagen der Philister zwanzig Jahre.

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