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Die Bibel in einem Jahr · Tag 203 von 365

Weisheit 17–19

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Weisheit 17

1Denn groß sind deine Gerichte, o Herr! und unaussprechlich deine Ratschlüsse; darum fielen ungelehrige Seelen in Irrtum, 2denn während die Ungerechten meinten, das heilige Volk unterdrücken zu können, fesseltest du sie mit Finsternis und langer Nacht, dass sie in ihren Häusern eingeschlossen, als aus der ewigen Vorsehung Fliehende ohnmächtig dalagen. 3Und da sie wähnten, bei ihren heimlichen Sünden unter dem finstern Schleier der Vergessenheit verborgen bleiben zu können, wurden sie unter greulichen Schrecken voneinander getrennt und in übergroßen Schauder versetzt. 4Denn nicht einmal die Schlupfwinkel in denen sie sich bargen, schützten sie vor Furcht, sondern Getöse kam von oben her über sie und erschreckte sie und traurige Gestalten erschienen und jagten ihnen Entsetzen ein. 5Und keine Kraft des Feuers vermochte ihnen Licht zu gewähren und war der Gestirne helles Funkeln imstande, jene grauenvolle Nacht zu erhellen. 6Nur zeigte sich ihnen urplötzliches und grauenvolles Feuer und durch die nie gesehene Erscheinung erschreckt, hielten sie das, was sie sahen, für noch schlimmer. 7So wurden ihre Zauberkünste zu Spott und der Stolz ihrer Weisheit schmählich gestraft. 8Denn die sich rühmten, Furcht und Schrecken aus kranken Seelen zu vertreiben, erkrankten selbst an lächerlicher Furcht. 9Denn wenn sie auch sonst kein Schrecknis in Furcht setzte, wollten sie doch vor Zittern vergehen, wenn Getier vorüberfuhr und Zischen der Schlangen sie aufscheuchte, und wollten selbst die Luft, der man doch auf keine Weise sich entziehen kann, nicht schauen. 10Denn weil die Bosheit feige ist, gibt sie sich durch ihr eigenes Zeugnis schuldig; immer versieht ja ein erschrockenes Gewissen sich schlimmer Dinge. 11Ist doch die Furcht nichts anderes als das Aufgeben der von der Überlegung herrührenden Hilfsmittel; 12und je weniger man im Herzen Hoffnung auf Hilfe hat, für ein desto größeres Übel hält man die unbekannte Ursache, durch die man leidet. 13Jene aber, welche in der in Wahrheit ohnmächtigen Nacht, die aus dem tiefsten Abgrund der Unterwelt über sie kam, denselben Schlaf schliefen, 14wurden bald vom Entsetzen vor Gespenstern aufgeschreckt, bald sanken sie in Verzweiflung des Gemütes dahin; denn plötzliche und unerwartete Furcht kam über sie. 15Wenn dann einer von ihnen zu Boden fiel, so war er gleichsam in einem Kerker verwahrt und eingeschlossen, auch ohne Fessel. 16Mochte einer ein Ackermann oder ein Hirt oder auf dem Felde arbeitend beschäftigt sein, so unterlag er dem unentfliehbaren Verhängnisse, 17denn mit einer Kette der Finsternis waren alle gefesselt. Wo ein säuselnder Wind oder der Vögel süßer Gesang unter den dichten Zweigen der Bäume oder das Rauschen des gewaltig dahinstürzenden Wassers 18oder das starke Krachen herabstürzender Felsen oder der ungesehene Lauf springender Tiere oder die mächtige Stimme brüllender Raubtiere oder der von den höchsten Bergen zurückgeworfene Widerhall gehört wurde, brachte es alle außer sich vor Schrecken. 19Ja, der ganze Erdkreis war von strahlendem Lichte erleuchtet und jeder war ungehindert bei seiner Arbeit begriffen; 20nur über jene allein war drückende Nacht gelagert, das Vorbild der Finsternis, die über sie hereinbrechen sollte. Sie waren sich selbst alsbald unerträglicher als die Finsternis.

Weisheit 18

1Aber bei deinen Heiligen war die größte Helligkeit und sie hörten zwar deren Stimme, aber sahen ihre Gestalt nicht, und weil sie nicht das Gleiche zu leiden hatten, priesen sie dich; 2und die zuvor gelitten hatten, dankten, dass sie jetzt nicht mehr litten, und baten um die Gnade, dass die Scheidung noch ferner bleiben möge. 3Darum erhielten sie eine feuerflammende Säule zur Führerin auf dem unbekannten Wege; und du machtest, dass die Sonne ohne Nachteil ihnen schien zu guter Pilgerfahrt. 4Jene freilich hatten es verdient, des Lichtes beraubt und in den Kerker der Finsternis eingeschlossen zu werden, weil sie deine Söhne gefangen gehalten, durch welche der Welt das unvergängliche Licht des Gesetzes gegeben werden sollte. 5Da sie den Vorsatz hatten, die Kinder der Gerechten zu töten und da ein einziges Kind ausgesetzt und ihnen zur Strafe gerettet war, so entrissest du ihnen die Menge ihrer Kinder und vertilgtest sie allzumal in furchtbarem Wasser. 6Jene Nacht nämlich ward unsern Vätern vorher kund, damit sie, sicher wissend, welchen Eiden sie trauten, guten Mutes wären. 7So erwartete dein Volk zugleich die Rettung der Gerechten und den Untergang der Ungerechten. 8Denn eben dadurch, womit du die Widersacher straftest, verherrlichtest du uns, die du zu dir beriefest. 9Denn im Verborgenen opferten die gerechten Söhne trefflicher Väter und beschlossen einmütig, das Gesetz der Gerechtigkeit zu halten, Böses wie Gutes als Gerechte anzunehmen, indem sie Lobgesänge der Väter sangen. 10Dagegen hallte das misstönige Geschrei der Feinde wider und klägliches Jammergeschrei war zu hören über den Tod der Kinder, die sie beweinten. 11Mit gleicher Strafe wurden Herr und Knecht heimgesucht und der gemeine Mann erlitt Gleiches wie der König. 12So hatten alle zumal unzählige Tote, die desselben Todes gestorben waren; und die Lebenden reichten nicht einmal aus, alle zu begraben, da in einem Augenblicke der vorzüglichere Teil des Volkes weggerafft ward. 13Während sie zuvor, durch Zaubereien verführt, bei allem ungläubig geblieben waren, bekannten sie nun bei dem Untergange der erstgeborenen zuerst, dass dies Volk Gott zu eigen sei. 14Während nämlich diese Stille alles umfing und die Nacht sich in ihres Laufes Mitte befand, 15stieg dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom Königsthrone, wie ein furchtbarer Streiter, in die Mitte des dem Verderben geweihten Landes herab. 16Als scharfes Schwert deinen unzweideutigen Befehl führend, trat es hin und erfüllte alles mit Toten; es berührte den Himmel und stand doch auf der Erde. 17Da erschreckten sie plötzlich böse Traumgesichte und unerwartete Furcht kam über sie. 18Der eine stürzte hier, ein anderer dort halbtot nieder, die Ursache seines Todes deutlich zu erkennen gebend. 19Denn die Gesichte, durch welche sie erschreckt wurden, zeigten dies im Voraus an, damit sie nicht unbekannt mit der Ursache ihres schlimmen Geschickes umkämen. 20Zwar traf dann freilich auch Gerechte Anfechtung des Todes und in der Wüste hatte ein Aufruhr unter der Menge statt, aber nicht lange währte dein Zorn. 21Denn schnell kam ein untadliger Mann, für das Volk zu bitten. Den Schild seines Dienstes hochhaltend, das Gebet, und durch Weihrauchspende Sühne suchend, trat er dem Zorne entgegen und machte der Not ein Ende, indem er zeigte, dass er dein Diener sei. 22Er siegte aber über das Getümmel nicht durch Körperkraft noch durch Gewalt der Waffen, sondern durch das Wort unterwarf er seinen Züchtiger, indem er an den Eid und den Bund der Väter erinnerte. 23Denn als sie bereits haufenweise tot übereinander gestürzt waren, trat er dazwischen, wehrte dem Wüten und schnitt ihm den Weg zu den Lebenden ab. 24Denn auf seinem langen Gewande war die ganze Welt und die Herrlichkeit der Väter auf vier Reihen von Steinen eingeschnitten und deine Herrlichkeit auf der Krone seines Hauptes eingegraben. 25Vor diesen wich der Würger und fürchtete sich davor, denn die bloße Probe des Zornes war schon hinreichend.

Weisheit 19

1Aber auf den Gottlosen lastete unerbittlicher Zorn bis ans Ende; denn Er sah voraus, was sie bald tun würden, 2dass sie es nämlich, wiewohl sie zugegeben, dass jene wegzogen, ja sie mit großem Eifer selbst dazu gedrängt hatten, gereuen werde und sie dieselben verfolgen würden. 3Denn während sie noch mit der Totentrauer beschäftigt waren und an den Gräbern ihrer Toten wehklagten, gerieten sie auf einen andern Gedanken voll Torheit und verfolgten eben die als Flüchtlinge, die sie doch unter Flehen gedrängt hatten abzuziehen. 4Es zog sie nämlich ein verdientes Verhängnis zu diesem Äußersten. Sie verloren die Erinnerung an das, was ihnen widerfahren war, damit, was der Züchtigung noch abging, durch die fernere Strafe ersetzt würde 5und nunmehr dein Volk den wunderbaren Durchgang vollbrächte, jene aber auf eine neue Art den Tod fänden. 6Denn die ganze Schöpfung wurde in ihrem eigensten Wesen von neuem umgebildet, um deinen Geboten dienstbar zu sein, damit deine Kinder unversehrt bewahrt würden. 7Eine Wolke nämlich überschattete ihr Lager und, wo zuvor Wasser war, erschien trockenes Land und im Roten Meer ein Weg ohne Hindernis und der tiefe Abgrund ward zum grünenden Felde. 8Dort zog das ganze Volk, beschirmt durch deine Hand, hindurch, deine Wunder und Zeichen schauend. 9Sie gingen wie Rosse auf der Weide und hüpften wie die Lämmer und lobten dich, Herr! der sie errettet. 10Denn sie gedachten noch dessen, was sich im Lande ihres Aufenthaltes zugetragen hatte, wie nämlich die Erde anstatt des Geschlechtes der Tiere Fliegen hervorbrachte und der Fluss statt der Fische eine Menge Frösche ausspie. 11Zuletzt aber sahen sie noch eine neue Gattung von Vögeln, als sie, von Lüsternheit getrieben, um Leckerbissen baten. 12Denn ihre Lüsternheit zu befriedigen, stiegen Wachteln vom Meere herauf. Nun brachen Strafen über die Sünder herein, nicht ohne vorhergehende Zeichen von gewaltigen Blitzen, und sie litten mit Recht die Strafe für ihre Bosheit. 13Denn sie verletzten die Gastfreundschaft noch weit ärger; jene nämlich nahmen unbekannte Fremdlinge nicht auf, sie aber machten Gäste, die ihre Wohltäter waren, zu Sklaven. 14Und nicht allein dies: für jene mochte eine andere Zurechtweisung gelten, weil sie die Fremdlinge ungern aufnahmen, 15während diese solche mit den grausamsten Martern peinigten, welche sie mit Freuden aufgenommen und an ihren Rechten hatten teilnehmen lassen. 16Sie wurden aber mit Blindheit geschlagen, wie jene an der Tür des Gerechten, als plötzliche Finsternis sie umfing, dass jeder den Eingang zu seiner Tür suchen musste. 17Denn die Elemente wurden untereinander umgestimmt, wie bei einem Saiteninstrumente zwar die Tonart wechselt, aber alles seinen Grundton behält; was man aus der Betrachtung des Geschehenen augenscheinlich schließen kann. 18Landtiere nämlich wurden in Wassertiere verwandelt und sonst schwimmende Tiere kamen aufs Land. 19Das Feuer äußerte seine Kraft stärker noch im Wasser und das Wasser vergaß seine löschende Kraft. 20Flammen hinwiederum versehrten das Fleisch der so leicht zu tötenden Tiere nicht, ob diese gleich in denselben umherwandelten, auch ließen sie die herrliche Speise nicht schmelzen, obwohl sie leicht wie Eis zu schmelzen war. Denn in allem, o Herr! hast du dein Volk erhöht und verherrlicht und nicht gering geschätzt, sondern bist zu jeder Zeit und an jedem Orte sein Beistand gewesen.

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