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Die Bibel in einem Jahr · Tag 197 von 365

Hohelied 1–4

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Hohelied 1

1Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; denn lieblicher als Wein sind deine Brüste, 2sie duften nach lieblichen Salben. Dein Name ist wie ausgegossenes Öl, darum lieben dich die Jungfrauen. 3Ziehe mich! wir wollen dir nacheilen, dem Dufte deiner Salben nach. Der König führte mich in sein Gemach; wir wollen frohlocken und uns in dir erfreuen, deiner Brüste mehr gedenken als des Weines. Aufrichtige lieben dich! 4Schwarz bin ich, doch schön, ihr Töchter Jerusalems! wie die Gezelte Kedars, wie die Decken Salomons. 5Sehet mich nicht an, dass ich so braun bin, denn die Sonne hat mich verfärbt; die Söhne meiner Mutter haben wider mich gestritten, sie bestellten mich zur Hüterin in den Weinbergen; meinen Weinberg habe ich nicht gehütet. 6Tue mir kund, du, den meine Seele liebt, wo du weidest, wo du ruhest am Mittage, dass ich nicht herumirren muss hinter den Herden deiner Genossen. 7Wenn du, o schönste unter den Frauen, dies nicht weißt, so gehe heraus und folge den Spuren der Herden und weide deine Böcklein neben den Hütten der Hirten. 8Mit meinem Gespann an Pharaos Wagen vergleiche ich dich, meine Freundin! 9Schön sind deine Wangen, gleich der Turteltaube, und dein Hals wie ein Halsgeschmeide. 10Halskettlein von Gold wollen wir dir machen, mit Silber bunt besetzt. 11Während der König an seiner Tafel weilte, gab meine Narde ihren Duft. 12Ein Myrrhenbündel ist mir mein Geliebter, das an meinem Busen verwahrt bleibt. 13Eine Cyprustraube in den Weinbergen Engaddis ist mir mein Geliebter. 14O siehe, wie schön bist du, meine Freundin! Wie schön bist du, deine Augen sind gleich Taubenaugen. 15O siehe, wie schön bist du, mein Geliebter! Und holdselig; voll Blumen ist unser Lager. 16Die Balken unserer Häuser sind von Zedernholz, unser Getäfel von Zypressen.

Hohelied 2

1Ich bin eine Blume des Feldes und eine Lilie der Täler. 2Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern. 3Gleichwie der Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Geliebter unter den Söhnen. Unter dem Schatten dessen, nach dem ich verlangte, sitze ich und seine Frucht ist meinem Gaumen süß. 4Er führte mich in den Weinkeller und teilte mir die rechte Liebe mit. 5Erquicket mich mit Blumen, gebet mir Äpfel zur Stärkung; denn ich bin krank vor Liebe! 6Seine Linke unterstützt mein Haupt und seine Rechte hält mich umfasst. 7Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems! Bei den Rehen und Hirschen der Fluren, wecket nicht auf, erwecket nicht die Geliebte, bis sie selbst will. 8Die Stimme meines Geliebten! Siehe, da kommt er, springt einher über die Berge, hüpft in Eile über die Hügel. 9Mein Geliebter gleicht einer Gazelle und einem jungen Hirsche; siehe, schon steht er hinter unserer Wand, sieht durch die Fenster und schaut durch die Gitter. 10Siehe, mein Geliebter spricht zu mir: Mache dich auf, eile meine Freundin, meine Taube, meine Schöne, und komm! 11Denn schon ist der Winter vorüber, der Regen hat aufgehört und ist vergangen; 12schon erscheinen die Blumen in unserem Lande, die Zeit ist gekommen, den Weinstock zu beschneiden, die Stimme der Turteltaube lässt sich in unserem Lande hören; 13der Feigenbaum setzt seine Knoten an, die Weinberge blühen und hauchen ihren Duft. Mache dich auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm! 14Meine Taube in den Felsenklüften, in der Höhlung des Gesteins, lass mich dein Angesicht schauen, lass deine Stimme in meine Ohren tönen! denn deine Stimme ist süß und dein Angesicht hold. 15Fanget uns die kleinen Füchse, welche die Weinberge verwüsten; denn unser Weinberg steht in der Blüte. 16Mein Geliebter ist mein und ich bin sein; der unter den Lilien weidet, 17bis der Tag sich kühlt und die Schatten sich neigen. Kehre um, mein Geliebter! Sei gleich dem Reh und dem jungen Hirschen auf den Bergen Bethers.

Hohelied 3

1Auf meinem Lager ruhend suchte ich in den Nächten, den meine Seele liebt; ich suchte ihn und fand ihn nicht. 2So will ich aufstehen und will die Stadt durchwandern, auf Plätzen und Straßen suchen, den meine Seele liebt; ich suchte ihn und fand ihn nicht. 3Es fanden mich die Wächter, welche die Stadt bewachen. Habt ihr ihn, den meine Seele liebt, gesehen? 4Kaum war ich von ihnen ein wenig weiter gegangen, da fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich erfasste ihn und will ihn nicht lassen, bis ich ihn in das Haus meiner Mutter gebracht und in die Kammer meiner Gebärerin. 5Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems! bei den Rehen und Hirschen der Fluren, wecket nicht auf, erwecket nicht die Geliebte, bis sie selbst will. 6Wer ist es, die dort aus der Wüste heraufkommt, gleich einer Rauchsäule von Spezereien aus Myrrhen und Weihrauch und allerlei Gewürz des Salbenhändlers? 7Siehe dort das Ruhebett Salomons, um dasselbe stehen sechzig Helden der Tapfersten Israels; 8alle sind mit Schwertern umgürtet und des Kampfes kundig; ein jeder trägt das Schwert an seiner Hüfte zur Abwehr nächtlicher Schrecknisse. 9Ein Prunkbett ließ sich der König Salomon aus Holz vom Libanon fertigen; 10seine Säulen machte er aus Silber, die Lehne von Gold, den Sitz von Purpur; die Mitte belegte er mit Liebe um der Töchter Jerusalems willen. 11Kommet heraus, ihr Töchter Sions! und schauet den König Salomon mit der Krone, mit der ihm seine Mutter gekrönt am Tage seiner Vermählung und am Tage der Freude seines Herzens.

Hohelied 4

1Wie bist du schön, meine Freundin! Wie bist du schön! Deine Augen sind Taubenaugen, ungesehen das, was innen verborgen ist. Dein Haar gleicht einer Ziegenherde, die am Berge Galaad heraufkommt. 2Deine Zähne sind wie Herden von Schafen, die nach der Schur aus der Schwemme heraufsteigen, alle Zwillingsjunge tragend, und kein unfruchtbares ist unter ihnen. 3Wie ein Purpurstreif sind deine Lippen und deine Rede süß. Wie der Aufschnitt eines Granatapfels sind deine Wangen, ungesehen das, was innen verborgen ist. 4Dein Hals ist wie der Turm Davids, der mit Schutzwehren gebaut ist und an dem tausend Schilde hängen, alle Schutzwehr der Helden. 5Denn zwei Brüste sind wie zwei Zwillingsgazellen, die unter Lilien weiden. 6Bis der Tag sich kühlt und die Schatten sich neigen, will ich zum Myrrhenberg hingehen und zum Weihrauchhügel. 7Vollkommen schön bist du, meine Freundin! Und kein Makel ist an dir. 8Komm vom Libanon, meine Braut, komm vom Libanon, komm! du sollst gekrönt werden, vom Gipfel Amanas, vom Gipfel Sanirs und Hermons, von den Lagern der Löwen, von den Bergen der Leoparden. 9Du hast mein Herz verwundet, meine Schwester, meine Braut! du hast mein Herz verwundet mit einem Blicke deiner Augen, und mit einer Locke deines Halses. 10Wie schön sind deine Brüste, meine Schwester, meine Braut! Deine Brüste sind köstlicher als Wein und der Duft deiner Salben übersteigt alle Wohlgerüche. 11Honigseim träufen deine Lippen, meine Braut! Honig und Milch sind unter deiner Zunge, und der Duft deiner Kleider gleicht dem Duft des Weihrauchs. 12Ein wohlverschlossener Garten bist du, meine Schwester, meine Braut! Ein wohlverschlossener Garten, ein versiegelter Quell. 13Deine Schößlinge sind ein Lustgarten von Granatbäumen mit der Frucht ihrer Äpfel, Cyprusblumen samt Narden, 14Narde und Safran, Kalmus und Zimmet, samt allen Bäumen des Libanon, Myrrhe und Aloe, samt allen kostbaren Salben, 15eine Quelle der Gärten, ein Brunnen lebendiger Wasser, die ungestüm vom Libanon niederrauschen. 16Erhebe dich, Nordwind! Und komm her, Südwind! Durchwehe meinen Garten, auf dass seine Düfte ausströmen.

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